Warum Vogelspinnen?

 

Diese Frage höre ich ständig. Angst, Ekel oder schlicht Widerwillen gegenüber Spinnen im Allgemeinen und Vogelspinnen im Besonderen sind weit verbreitete Phänomene in unserer Bevölkerung. Ein Extrem bildet die Arachnophobie. Ihre Wurzeln mögen in der Steinzeit liegen, als giftige Tiere eine Bedrohung für einzelne Stammesmitglieder darstellten. In unserer Zeit und unseren Breiten ist die Furcht vor Vogelspinnen unnötig: Sie gibt es in Deutschland nur in Terrarien. Außerhalb dieser können sie sich nicht vermehren. Die Giftwirkung der Tiere übersteigt zudem nach herrschender Meinung nicht die einer herkömmlichen Biene. Um von einer Vogelspinne gebissen zu werden, muss man ihr Terrarium öffnen und das Tier bedrohen. Unter der Obhut eines verantwortungsbewussten Halters – und Verantwortungsbewusstsein ist wie bei der Pflege jedes anderen Haustieres unabdingbare Grundvoraussetzung – kann diese Situation nicht eintreten.

Ich möchte Euch auf den folgenden Seiten diese faszinierenden Lebewesen vorstellen und Euch erklären, warum und unter welchen Bedingungen Vogelspinnen ideale Haustiere sind.

Praktische Gründe für die Pflege einer Vogelspinne:

1.) Geringe Platzansprüche: Mittelgroße Vogelspinnen sind artgerecht in einem 30x30x20-Terrarium (Breite x Tiefe x Höhe) zu pflegen.

2.) Niedrige Anschaffungskosten: Die Grundausrüstung (Terrarium, Trinkschale, Bodengrund, Pinzette etc.) ist verhältnismäßig günstig zu erwerben.

3.) Wenig laufende Kosten: Die Futteransprüche sind insbesondere für ein Terrarientier immens niedrig. Der Strombedarf beschränkt sich auf den Betrieb einer Wärmequelle (Beleuchtung oder Heizmatte) von 15-30 Watt.

4.) Geringer Pflegeaufwand: Bei stetiger Pflege der Tiere und Wartung der Terrarien liegt der durchschnittliche zeitliche Aufwand pro Vogelspinne bei 1 Stunde pro Woche.

Natürlich ist die Anschaffung und Pflege einer Vogelspinne keine rein praktische Entscheidung. Wie andere Heimtiere können uns auch Vogelspinnen viel Freude bereiten. Die Beschäftigung mit ihnen bietet einer wachsenden Anzahl von Menschen ein faszinierendes Hobby.

 

Ideelle Gründe für die Pflege einer Vogelspinne:

1.) Keine Domestizierung: Vielen Säugern bringt man Kunststücke zur Belustigung der Allgemeinheit bei. Sie werden zum Partner- oder Familienersatz. Kleidung, Psychologen, Friseure, Restaurants für Tiere sollen sie vermenschlichen. Bei Vogelspinnen ist dies anders. Sie sind keine Schmusetiere, danken uns das Füttern nicht mit Schwanzwedeln. Dafür bieten sie uns die Chance, ihr natürliches Verhalten – wenn auch unter Terrarienbedingungen – zu beobachten und Bewunderung für die Schöpfungen der Natur zu entwickeln.

2.) Erhalt der Artenvielfalt: Eine wachsende Zahl von Vogelspinnen sind in ihren Lebensräumen bedroht. Gründe hierfür sind Rodung, schonungslose Wildfänge, Pestizide. Wir können durch unser Zutun viel erreichen: Indem wir unsere Pfleglinge züchten und die Nachkommen in Halterkreisen verteilen, sichern wir den Bestand der Art und verhindern weitere Wildfänge.

3.) Ästhetische Gründe: Vogelspinnen können Dich vom einen zum anderen Augenblick in ihren Bann schlagen. Ich war früher von ihnen gelangweilt und interessierte mich viel mehr für Leguane und Schlangen. Eines Tages fiel mir die Schönheit und Anmut ihrer Bewegungen, ihre Perfektion der Jagdinstinkte, ihr primitives, aber effektives Verhalternsmuster auf. Wenn es Dich erwischt, dann richtig.

4.) Faszinitation: Ein Insekt, das bis zu 30 Jahre alt wird? Dessen Ordnung sich seit 380 Millionen Jahren vor dem Aussterben drückt? Das Gliedmaßen vollständig regenerieren kann? Das seinen gesamten Organismus bei einer Häutung entschlackt und damit einen totalen Charakterwechsel vollziehen kann? Vogelspinnen bieten eine so reiche Mischung von Einzigartigkeiten und Wunderwerken der Natur, dass die Faszination für sie, einmal entfacht, nicht mehr enden will.

Damit Du nicht ein Tier erwirbst, das Du wenig später wieder loswerden willst oder musst, folgen abschließend K.O.-Kriterien, die die Anschaffung einer Vogelspinne von vornherein ausschließen.

 

Gründe gegen die Pflege einer Vogelspinne:

1.) Du hast eine Allergie gegen Haustiere, Insektengift oder die Brennhaare der Vogelspinnen.

2.) Du leidest unter Arachnophobie.

3.) Du kannst die Pflege einer Vogelspinne nicht mit Deinem sozialen Umfeld in Einklang bringen. 

4.) Du kannst Dich nicht verantwortungsbewusst um das Tier kümmern.

5.) Du möchtest das Tier aus Prestigegründen halten, um andere zu beeindrucken.

6.) Du bist minderjährig und Deine Erziehungsberechtigten verbieten Dir die Pflege einer Vogelspinne. Vorgeschlagenes Mindestalter unter der Obhut verantwortungsvoller und fachkundiger Erziehungsberechtigter: 12 Jahre.

So, jetzt wünsche ich Dir viel Spaß bei der Biotropics-Rubrik “Vogelspinnen”!

 

Literatur:

KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen

SCHULTZ, S. A. / SCHULTZ, M. J. (1998): The Tarantula Keeper´s Guide

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