Vogelspinnen

Die Familie der Vogelspinnen beinhaltet ca. 900 Arten, die sich auf 11 Unterfamilien verteilen. Ständig werden neue Arten entdeckt, so dass man davon ausgehen kann, dass ihre wirkliche Zahl sehr viel höher liegt. Im Vergleich zu dieser enormen Artenvielfalt ist nur ein Bruchteil auf dem deutschen Markt erhältlich, obwohl es uns hier in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern recht gut geht, was die Auswahl betrifft. Hier haben wir es geschafft durch gezielte Vermehrung viele Arten dauerhaft zu erhalten, so dass Importe für die breite Masse nicht mehr nötig sind. Die sehr hohe Reproduktionsrate (teilwese bis zu 3500 Jungtiere pro Kokon) erleichtert den Erhalt. Obwohl meines Erachtens Inzuchtprobleme bisher nicht bekannt sind, kann es nicht falsch sein, gelegentlich Wildimporte an Züchter zu vermitteln, die durch eine gewissenhafte Vermehrung für eine Blutauffrischung sorgen. Eventuell könnten aber auch organiserte Züchtergruppen dafür sorgen, dass nur Blutsfremde Tiere miteinander verpaart werden.

Die ersten Vogelspinnen lebten schon vor ca. 300 Millionen Jahren. Die bekannteste Vertreterin der Spinnen früherer Zeiten dürfte wohl Megarachne gewesen sein. Sie konnte eine Beinspannweite von über 70 cm (!) erreichen. Solche Tiere würden auch für den Menschen eine Gefahr darstellen. Derartige Dimensionen waren allerdings nur möglich, da die Sauerstoffkonzentration in der Atmosphäre damals sehr viel höher war als heute. Neuere Studien bekräftigen jedoch den Verdacht, dass Megarachne vermutlich zu den Seeskorpionen gehörte und somit vermutlich keine Spinne war. Die meisten Vogelspinnen-Arten heutger Zeit leben sicherlich in Südamerika. Besonders in den Regenwäldern ist ihre Zahl hoch. Im Gegensatz zu vor einigen Millionen Jahren leben in Europa nur noch wenige Arten, die aus der Unterfamilie der Ischnocolinae stammen.

Abhängig vom Habitat und von der Lebensweise ist auch der Körperbau der Vogelspinnen unterschiedlich. So sind baumbewohnende Arten der Gattung Avicularia eher grazil gebaut mit dichter Behaarung, besonders an den Beinen, die das “Segeln” von Baum zu Baum erleichtern sollen. Bodenbewohnende Arten der Gattung Brachypelma sind eher kompakt gebaut mit mittellangen Haaren, während grabende Arten wie z.B. aus den Gattungen Haplopelma und Selenocosmia eher eine kurze Behaarung aufweisen. Haftplolster an den Tarsenunterseiten vieler Arten ermöglichen es ihnen trotz ihrer Größe auch an Glas entlangzulaufen. Das gilt nicht nur für rein baumbewohnende Arten, sondern z.B. auch für Brachypelmiden.

Im Gegensatz zum leider noch weit verbreiteten Volksglauben ist der Biss einer Vogelspinne nicht tödlich. Ausnahmen können natürlich Personen darstellen, die allergisch gegen das Gift reagieren. Um jedoch gegen das Gift sensibilisiert zu werden müsste man mindestens einmal schon gebissen worden sein. Die Wahrscheinlichkeit dass man nach einem Biss einen anaphlyaktischen Schock erleidet, ist also praktisch gleich null. Die Giftmenge, die beim Biss abgegeben wird, ist im Vergleich zur Größe der Tiere sehr gering, und das Gift ist schwach. Vogelspinnen brauchen auch kein starkes Gift, da sie ähnlich wie die ungiftigen Würgeschlangen ihre Beute durch ihre pure Kraft erlegen. Gebissene Personen berichten über teilweise starke Schmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber. Die Schmerzen können über mehrere Tage anhalten. Ein größeres Problem stellt die Gefahr einer Infektion dar: Die Chelizerenklauen sind ein Eldorado für verschiedenste Bakterien, welche bedingt durch die Größe der Klauen, tief ins Fleisch eingebracht werden können. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, sich zumindestens einmal bei einem Arzt vorzustellen. Da ich davon ausgehe, dass ein verantwortungsbewußter und/oder erfahrener Halter nie gebissen wird, bleibt nur noch ein Problem übrig: Viele Arten besitzen Brennhaare am Abdomen, die sie durch dass Reiben mit den Hinterbeinen in die Luft wirbeln. Deshalb sieht man teilweise Spinnen mit einer “Glatze” am Hinterteil. Diese Brennhaare können Haut, Augen und Lungen reizen. Ich selber bin ein Allergiker, aber habe trotzdem selten Probleme mit den Haaren. Ich kriege weder einen Husten- noch einen Niesreiz. Was allerdings schon passiert ist, ist dass ich nach der Reinigung eines Theraphosa blondi-Beckens mit Hautrötung, Quaddelbildung und Juckreiz an den Händen reagiert habe. Durch die Benutzung von Einmalhandschuhen lässt sich auch dieses Risiko minimieren.

Wie ich hoffentlich in dieser Einleitung zeigen konnte, sind Vogelspinnen sehr interessante und keineswegs gefährliche Tiere, wie sie leider teilweise auch von Leuten (insbesondere in einigen Behörden) betitelt werden, die es eigentlich besser wissen müssten. Meiner Meinung nach ist das nur ein Vorwand derer, die gerne jegliche Haltung von exotischen Tieren verbieten würden und so den Gesetzesgeber manipulieren. Jeder Yorkshire-Terrier ist eine größere Gefahr für den Menschen als eine Vogelspinne, besonders da Zwischenfälle mit Terrarientieren fast ausnahmslos den Halter betreffen und keine zweite Person. Dem Einsatz von Vereinen (wie z.B. der DGHT) ist es zu verdanken, dass bei vielen Arten (sowohl bei Spinnen als auch bei Reptilien und Amphibien) zumindestens die Meldepflicht entfiel und so mancher Terrarianer der Behördenwillkür endlich nicht mehr ausgesetzt ist.

In den folgenden Rubriken kann man sich noch weiter in die Materie vertiefen. Wir wünschen viel Spaß dabei.

Allgemeine Informationen
Haltung von Vogelspinnen
Gattungen

Literatur

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