Riesenvogelspinne

Theraphosa blondi (LATREILLE, 1804)

 

Beschreibung

Theraphosa blondiTheraphosa blondi – die größte Vogelspinne der Welt. Wer wollte ihr diesen Rang streitig machen? Lasiodora parahybana, Pamphobeteus antinous oder Theraphosa apophysis? Nach herrschender Meinung nicht. 12 cm Körperlänge, bis zu 30 cm Beinspannweite, ein fast tennisballgroßes Abdomen, ein Körpergewicht von über 170 g und 1,7 cm lange Cheliceren sind schwer zu toppen. Dazu kommt ein äußerst cholerischer Charakter, unangenehme Brennhaare, die gern und oft abgestreift werden und die Tiere fast permanent mit einer ausgesprochen hässlichen rosa Glatze am Abdomen erscheinen lassen und ein ungebändigter Hunger, dem man nicht immer nachkommen sollte. WEST (1997) berichtet, dass auch die Piaroa-Indianer bei der Zubereitung dieser Spinnen vermeiden, das Abdomen mit der bloßen Hand anzufassen. Der Inhalt des Abdomens wird entleert und die Hülle vergraben, weil die Indianer glauben, dass die Haare zur Erblindung führen. Nicht gerade ein Wachtelküken.

Die Tiere sind unscheinbar kaffeebraun bis schwarz gefärbt. Der Körperbau erinnert durch den ungewöhnlich großen und breiten Carapax an einen Krebs, bspw. eine Seespinne. SCHULTZ & SCHULTZ (1998) und WEST (l.c.) berichten, dass die Piaroa Indianer in Venezuela Theraphosa blondi – genau wie Theraphosa apophysis – gerollt in ein Blatt rösten und anschließend essen. Spinnenfleisch enthält immerhin 63% Protein. Die Tiere werden mit Ranken, in deren Enden man einen Knoten macht, aus ihren Höhlen gelockt oder geradezu geangelt.

Geschlechtsunterschiede

Adulte Männchen haben anders als bei anderen Vogelspinnen keine Tibiaapophysen, also Schienbeinhaken, am vorderen Laufbeinpaar.

Verbreitung

Theraphosa blondiTropische Regenwälder im Norden Brasiliens, Guayana, Surinam und Venezuela, oft in der Nähe von Flussläufen und dem Meer. Die Tiere bauen ihre Höhlen in den feuchten Urwaldboden oder nehmen die verlassenen Bauten von Nagern, Landkrebsen und Skolopendern an. Werden diese in der Regenzeit unter Wasser gesetzt, was nicht selten vorkommt, fliehen die Spinnen auf kleinere Anhebungen. Sobald die Trockenzeit einsetzt, bauen sie ihre Gänge dem sinkenden Grundwasserspiegel folgend in die Tiefe. Durch die Trockenzeit werfen die Bäume ihr Laub ab, was in der Einrichtung zu berücksichtigen ist. Die Lebenserwartung der Tiere in Gefangenschaft beträgt ca. 12 Jahre.

Verhalten

Die Art ist sehr aggressiv und unberechenbar und nur dem erfahrenen Halter zu empfehlen. Bei Störung reagieren die Tiere oft mit Stridulieren, also dem Erzeugen eines hohen und deutlich vernehmbaren Zischlautes; dazu sind beide Geschlechter in der Lage. Danach folgt Bombardieren und Beinschlagen sowie manchmal der Giftbiss – bei letzterem ist nicht das Gift, sondern die tiefe Fleischwunde besorgniserregend.

Haltung im Terrarium

Eigene Erfahrung

Diese Vogelspinne ist meiner Meinung nach mit etwas Erfahrung eine sehr dankbare Spezies. In der Dunkelheit sitzt sie meistens außerhalb der Höhle auf einer erhöhten Stelle und wartet auf Futter, so dass man sie immer gut beobachten kann. Wer eine Theraphosa blondi kaufen will, sollte einige Dinge dennoch beachten. Diese Spinne wächst sehr schnell und kann ohne Weiteres innerhalb von einem Jahr eine Körperlänge von mehr als 6 cm erreichen und braucht dann ein entsprechend großes Terrarium. Zur Häutung verkriecht sie sich in ihre Höhle und ist dann für ca. 3 Wochen nicht zu sehen. Die mehrfach in der Literatur erwähnte Fressgier kann ich nur bestätigen. Kälte wird extrem schlecht vertragen.

Terrarium

Ab 60 x 40 x 40 cm. Wichtig ist, dass sich keine Lüftungsgitter oder ähnliches in Bodenhöhe befinden, an denen die sehr schweren Tiere mit ihren Krallen hängen bleiben und so Extremitäten einbüßen könnten. Am besten eignet sich ein Vollglasaquarium um die 100 l, für das man einen passenden und vor allem gut gesicherten Deckel baut, der eine große Lüftungsfläche schafft. Theraphosa blondi verträgt auf Dauer keine Staunässe oder Stickluft; oft sind Verpilzungen die Folge.

Licht

Ein bis zwei 35 Watt Halogenspots im Deckel schaffen die nötige Wärme.

Temperatur

Tag 25-27° C, Nacht 18-20° C.

Luftfeuchtigkeit

80-90% Bodenfeuchtigkeit im Versteck.

Bodengrund

10 cm hohe Befüllung mit Lauberde, die man 6-10 cm hoch mit getrocknetem welkem Eichen- oder Buchenlaub bedeckt.

Einrichtung

Theraphosa blondi - AbdomenEin sehr großes gebogenes Stück Korkrinde dient als Versteck. Dieses und dessen Vorplatz überspinnt Theraphosa blondi. Berührt ein Futtertier die Signalfäden vor der Höhle, schnellt sie heraus und ergreift es. Ein großer Trinknapf von ca. 12-15 cm Durchmesser mit einem Stück Korkrinde ist vonnöten.

Fütterung

Heimchen, Grillen, Schaben, Heuschrecken, Nacktmäuse und Nacktratten. Für ein adultes Weibchen entfallen Heimchen und Grillen, da sie zu klein sind. PETERS gibt eine Anekdote zum Besten: “Ich habe es mal mit einer mittelgroßen Ratte probiert. Sie hatte keine Chance und starb genauso schnell wie eine größere Maus (nach ca. 20 Sekunden).”

Zucht

Die Verpaarung ist einfach, da sich das Weibchen dem Männchen gegenüber wieder Erwarten nicht sehr aggressiv verhält. Die Kopulation dauert bis zu 10 Minuten. Danach trennen sich die Tiere friedlich. 10 Wochen nach der Eiablage schlüpfen ca. 100-150 Spiderlinge, die mit 1,5 cm Körperlänge und einem Abdomen von der Größe einer großen Erbse zeigen, was einmal aus ihnen wird. Sie wachsen unglaublich schnell und machen bei jeder Häutung einen richtigen Schub. Bereits nach der dritten Häutung beträgt ihre Gesamtlänge gut 4 cm. Ähnlich wie Jungtiere von Lasiodora parahybana haben sie in den ersten Monaten dünne und sehr lange Beine. Mit der Zeit werden sie massiger.

Diese Arten könnten Sie ebenfalls interessieren:

Lasiodora parahybana (Brasilianische Riesenvogelspinne)
Eupalaestrus campestratus
Brachypelma smithi (Rotknievogelspinne)
Brachypelma vagans

Literatur

KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen, S. 69.

KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen, S. 38.

PETERS, H.-J. (2000): Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 2, S. 124.

SCHMIDT, G. (1993): Vogelspinnen - Lebensweise Bestimmungsschlüssel Haltung Zucht. - Landbuch Verlag, Hannover, 151 S.

SCHULTZ, S.A./SCHULTZ, M.J. (1998): The Tarantula Keeper´s Guide, S. 95.

VON WIRTH, V. (1996): Vogelspinnen, S. 55.

WEBB, A. (2002): Vogelspinnen, S. 111-113.

WEST, R. (1997): Ein Festmenü aus Vogelspinnen. - REPTILIA, Natur und TierVerlag, Münster, 2(4): 27-29.

 

Google
Web Biotropics.com