Biotropics-Logo

Rhacodactylus

FITZINGER, 1843

Neukaledonische Riesengeckos

Klasse

Reptilia

Ordnung

Squamata

Unterordnung

Lacertilia

Überfamilie

Gekkota

Familie

Diplodactylidae

Unterfamilie

Diplodactylinae

Gattung

Rhacodactylus

Zu den Arten

Der Gattungsname Rhacodactylus setzt sich aus den griechischen Wörtern “rhacos” = Lappen und “dactylos” = Finger zusammen. Er bezieht sich auf die mit Hautlappen versehenen Zehen dieser Echsen. Insbesondere bei der größten Art Rhacodactylus leachianus ist dieses Merkmal gut zu erkennen, während man z.B. bei R. ciliatus nur noch Ansätze einer Lappenbildung erkennen kann.

Einleitung

Obwohl einige Vertreter dieser Gattung bereits seit Anfang der 80er Jahre in Deutschland gehalten werden, hat man das Gefühl, dass der Bekanntheitsgrad dieser Echsen erst seit dem neuen Jahrtausend zugenommen hat. Ich für meinen Teil hatte davor jedenfalls noch nicht viel von diesen neukaledonischen Geckos gehört. Mittlerweile gibt es jedoch kaum eine Ausgabe der hiesigen Terraristik-Zeitschriften, in denen nicht über diese Tiere berichtet wird. Gewiss haben diese Echsen ihre Beliebtheit der einfachen Haltung und ihrem interessanten Verhalten zu verdanken, aber zu einem nicht unwesentlichen Anteil spielt sicherlich die Tatsache eine Rolle, dass man mit den immer häufiger angebotenen Farbvarianten von R. ciliatus und R. auriculatus den einen oder anderen Euro verdienen kann.
Dies Gattung Rhacodactylus ist endemisch auf den neukaledonischen Inseln, einer Inselgruppe, die ca. 1700 km nordöstlich von Australien liegt. Das Klima auf Neukaledonien ist sehr milde und erinnert ein wenig an das Sommerklima im Mittelmeerraum, nur eben tropisch. Im Jahresverlauf treten zwei Regenzeiten auf, wobei zwischen Januar/Februar und März die stärksten Niederschläge vorkommen. Die Regenfront nähert sich für gewöhnlich vom Osten her der Insel und fällt auch größtenteils an der Ostküste. Hohe Gebirge, die sich längs der Hauptinsel Grande Terre erstrecken, hindern die Regenfront daran, die Westküste zu erreichen, so dass an der Westküste ein etwas trockeneres Klima herrscht. Dies beeinflusst natürlicherweise auch die Landschaft der Insel. Die Regenwälder finden sich an der Ostküste, während die Westküste von einer trockenen Graslandschaft geprägt ist. Von Juni bis Juli gibt es eine weitere Regenzeit, in der jedoch weniger Regen fällt. Die kühlste Zeit herrscht von September bis November. Danach steigen die Werte kontinuierlich an, bis die Spitzenwerte von Februar bis April erreicht werden.

Beschreibung

Alle Rhacodactylus-Arten sind nacht- und dämmerungsaktiv und baumbewohnend. Nur Rhacodactylus auriculatus kann auch gelegentlich am Boden angetroffen werden (HENKEL & SCHMIDT 1991). Während die kleineren Arten sich eher in den feinen Ästen der Baumkronen oder am Stamm in Bodennähe aufhalten, leben die größeren Arten vornehmlich am Stamm. Nur wenn es Futter gibt, werden die Echsen auch tagsüber aktiv (HENKEL & SCHMIDT 2007).
Der Körperbau dieser Geckos ist der arboricolen Lebensweise angepasst. Der Körper ist meist rundlich bis walzenförmig im Querschnitt und stämmig. Die Extremitäten sind kräftig und die Zehen mit spitzen Krallen ausgestattet. Unterhalb der Zehen finden sich wie bei vielen anderen baumbewohnenden Geckos sogenannte Subdigitallamellen, die je nach Art auch ein Klettern an Glasscheiben ermöglichen. Ein weiteres Anpassungsmerkmal ist der Schwanz, der mit Außnahme von R. leachianus, zum Greifen verwendet werden kann. Die Schwanzspitze ist meist flacher und knopfartig aufgetrieben. Unterhalb der Spitze finden sich Haftlamellen. Die faltige Haut dieser Echsen ist mit Körnchenschuppen bedeckt und lässt sie glatt und samtig wirken. Die Grundfärbung aller Arten besteht aus unterschiedlichen Brauntönen, was sicherlich vorteilhaft für die Tarnung an der Baumrinde ist. Einige Arten, hier sind besonders R. ciliatus und R. auriculatus zu nennen, können jedoch gelbliche oder rötliche Töne aufweisen. Wie viele andere Geckos auch, sind die Rhacodactylus-Arten zu Lautäußerungen befähigt. Die kleineren Arten machen jedoch selten davon gebrauch. Häufiger als die Adulti hört man die Jungtiere z.B. bei vermeintlicher Gefahr rufen. Dieses Verhalten ist vielen Terrarianern sicherlich vom Leopardgecko (Eublepharis macularius) bekannt.
Die Geschlechter lassen sich an mehreren Merkmalen unterscheiden. Das sicherste Merkmal ist die verdickte Schwanzwurzel unterhalb der Kloake bei den Männchen. Diese Verdickung enthält die Hemipenes. Ein weiteres Merkmal sind die sogenannten Präanofemoralporen, die sich in 1-2 Reihen von einem Bereich vor der Kloake entlang der Oberschenkelunterseiten erstrecken.
Insgesamt handelt es sich bei allen Arten um sehr ruhige Gesellen, die so gut wie nie hektisch reagieren und sich eher recht gemütlich fortbewegen. Ein absoluter Pluspunkt bei der Haltung im Terrarium.

Zucht

Die Zuch ist bei allen Arten mehrfach gelungen. Ungewöhnlicherweise verläuft die Reproduktion je nach Art sehr unterschiedlich. Rhacodactylus trachyrhynchus ist lebendgebärend, während die anderen Arten Eier ablegen. Bei R. chahoua sind die Eier kalkhaltig und hart, alle übrigen Arten legen weichschalige Eier ab.

Arten

 

A
Rhacodactylus auriculatus (BAVAY, 1869)

C
Rhacodactylus chahoua (BAVAY, 1869)
Rhacodactylus ciliatus
(GUICHENOT, 1866)

L
Rhacodactylus leachianus (CUVIER, 1829)

S
Rhacodactylus sarasinorum ROUX, 1913

T
Rhacodactylus trachyrhynchus BOCAGE, 1873

 

Literatur

BAUER, A.M. (1990): Phylogenetic systematics of the Carphodactylini (Reptilia: Gekkonidae). - Bonn. zool. Monogr., 30: 170-172.

BAUER, A.M. & A.P. RUSSELL (1991): The maximum size of giant geckos: a cautionary tale. - Bull. Chicago Herp. Soc., 26(2): 25-26.

BAUER, A.M. & SADLIER, R.A. (1993): Systematics, biogeography and conservation of the lizards of New Caledonia. - Biodiv. Lett. 1: 107-122.

BAUER, A.M. (1995): Geckos of the Genus Rhacodactylus. - Reptiles, 3(7): 32-49.

BÖHME, W. & F.-W. HENKEL (1985): Zur Kenntnis der Herpetofauna Neukaledoniens, speziell der Gattung Rhacodactylus. - herpetofauna, Weinstadt, 7(34): 23-29.

DE VOSJOLI, P. & F. FAST (1995): Notes from a Herpetological Field Trip to New Caledonia. Part two: Notes on three species of New Caledonian of the genus Rhacodactylus. - Vivarium 6(6): 26-31; 53-54.

DE VOSJOLI, P., F. FAST & A. REPASHY (2003): Rhacodactylus - The Complete Guide to their Selection and Care. - Advanced Vision Inc.

GOOD, A., A.M. BAUER, & R.A: SADLER (1997): Allozyme Evidence for the Phylogeny of Giant New Caledonian Geckos (Squamata: Diplodactylidae: Rhacodactylus), with Comments on the Status of R. leachianus henkeli. - Austr. Journal of Zoology, 45: 317-330.

HENKEL, F.-W. (1986): Bemerkungen über einige Rhacodactylus-Arten. - herpetofauna, Weinstadt, 8(42): 6-8.

HENKEL, F.-W. (1991): Zur Kenntnis der diplodactylinen Gecko-Gattung Rhacodactylus FITZINGER, 1843. Aspekte von Freileben, Haltung und Nachzucht. - Salamandra, Bonn, 27: 58-69.

HENKEL, F.-W. & W. SCHMIDT (1991): Geckos. - Ulmer Verlag, Stuttgart, 224 S.

HENKEL, F.-W. (1993): Note on the Diplodactyline Geck Genus Rhacodactylus (FITZINGER, 1843), Observations in the Wild as well as Aspects of Captive Husbandry and Breeding. - Dactylus, San Diego, 1(4): 22-32.

HENKEL, F.-W. (1997): Neukaledonien aud herpetologischer Sicht. - DATZ, Stuttgart, 50(7): 449-451.

MEIER, H. (1979): Herpetologische Beobachtungen auf Neukaledonien. - Salamandra, Frankfurt/M., 15(3): 113-139.

MERTENS, R. (1964): Neukaledonische Riesengeckos (Rhacodactylus). - Zool. Garten N.F., Leipzig, 29: 49-57.

MYERS, A. (1999): The New Caledonian Geckos of the Genus Rhacodactylus GUICHENOT. - Gekko, 1(1): 30-34.

RÖSLER, H. (2000): Studien an den Begattungsorganen der Geckos (Reptilia: Gekkota) - 3. Die Hemipenismorphologie von Arten der Gattungen Hoplodactylus FITZINGER 1843, Naultinus GRAY 1842, Oedura GRAY 1842, Rhacodactylus FITZINGER 1843 und Strophurus FITZINGER 1843. - Gekkota 2: 220-248.

ROUX, J. (1913): Les Reptiles de la Nouvelle-Calédonie et des îles Loyalty. - In: F. SARASIN & J. ROUX (Eds.): Nova Caledonia. - A. Zoologie, 1. - Wiesbaden (Kreidels), S. 79-160.

SAMEIT, J. (1985): Reiseziel Neukaledonien. - DATZ, Essen, 38(6): 279-281.

SCHÖNECKER, P. & S. SCHÖNECKER (2008): Die Gattung Rhacodactylus. - DRACO, Natur und Tier-Verlag, Münster, 9(36): 4-13.

SEIPP, R. & F.-W. HENKEL (2000): Rhacodactylus - Biologie, Haltung und Zucht. - Chimaira-Verlag, Frankfurt/M.

TYTLE, T. (1991): The natural history and captive husbandry of the New Caledonian Lizard Genus Rhacodactylus. - The Vivarium, 3(6): 32-36.

VENCES, M., F.-W. HENKEL & R. SEIPP (2001): Molekulare Untersuchungen zur Phylogenie und Taxonomie der Neukaledonischen Geckos der Gattung Rhacodactylus (Reptilia: Gekkonidae). - Salamandra, Rheinbach, 37(2): 73-92.

WARTKINS-COLWELL, G.J. (2003): Gecko Hunting in New Caledonia. - GEKKO, 2(3): 2-8.

 

Google
Web Biotropics.com