Rachitis

 

Einleitung

Rachitis ist definitionsgemäß eine Krankheit von Tieren, die noch im Knochenwachstum stecken. Um zu verstehen, wie eine Rachitis entsteht und warum die Knochen am Ende so deformiert aussehen, muss man wissen, wie der Knochen- und Kalziumstoffwechsel funktioniert. Die Rachitis ist wahrscheinlich die häufigste Knochenkrankheit bei Reptilien in Gefangenschaft.

Ätiologie

Fehlendes Vitamin D3, Parathormon-Mangel, Kalzium oder Phosphat (Mangelernährung), eine gehemmte Umwandlung von Vitamin D3 zu Calcitriol (bei Leber- und Nierenschäden), mangelnde Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm (Malabsorption) z.B. bei lang anhaltendem Durchfall. Es kann aber auch sein, dass Kalzium und Phosphat nicht in den Knochen eingebaut werden können.

Pathogenese

Durch den verminderten Einbau von Kalzium und/oder Phosphat, verliert der Knochen an Härte und verkrümmt sich unter Belastung und erreicht durch das Fehlen von Mineralstoffen nicht die normale Größe.

Symptome

  • Leitsymptom: Deformierte (gekrümmte)Rachitis bei Anolis equestris Gliedmaßen und Kiefer (der weiche Unterkiefer wird durch den Zug der Muskeln bogenförmig geöffnet) und Wirbelsäule (besonders am Übergang zum Schwanz; Nr. 1 auf der Abb.)
  • Zwergwuchs
  • Auftreibungen der Rippenknorpel (diese Auftreibungen nennt man beim Menschen Rosenkranz, da ihre Aufreihung an die Kügelchen eines Rosenkranzes erinnert, auch bei Echsen sieht man diesen “Rosenkranz”; Nr. 2 auf der Abb.)
  • geringe Härte des Schädelknochens ( Kraniotabes)
  • erweichter, eindrückbarer Panzer bei Schildkröten

Diagnostik

Die Diagnose erschließt sich in den meisten Fällen erst durch Symptome wie z.B. gekrümmte Gliedmaßen. Die Krankheit ist jedoch schon viel früher zu erkennen. Betroffene Tiere erkennt man daran, dass sie zwar Beute erjagen, wegen des weichen Kiefers aber nicht richtig packen können. Sie kauen auf dem Futter herum und kriegen es doch nicht runter. Wenn man genau hinsieht, hinken sie in vielen Fällen auch beim Laufen oder bewegen sich insgesamt unnormal. Ritteranolis sitzen z.B. merkwürdig “froschartig” da (Nr. 3 auf der Abb.). Am Ende bewegen sich kranke Tiere fast gar nicht mehr (ich vermute, dass es an den Schmerzen liegt, beim Menschen gehören Knochenschmerzen zu den stärksten Schmerzen überhaupt). Auch der oben genannte “Rosenkranz” ist bei genauerem Hinsehen meines Erachtens früher zu erkennen als ausgeprägte Deformierungen der Gliedmaßen. Blutuntersuchungen könnten verminderte Kalzium-, Phosphat- oder Vitamin D3-Werte ergeben. Röntgenbilder zeigen entmineralisierte und deformierte Knochen.

Differentialdiagnosen

Therapie

Die Therapie besteht darin, dass man die Versorgung der Tiere mit Vitamin D3, Kalzium und Phosphat sicherstellt, dabei ist auf ein Kalzium zu Phosphat-Verhältnis von ca. 1,5:1 zu achten. Gleichzeitig muss man nach den Ursachen der Krankheit suchen. Meistens liegt eine Mangelversorgung vor. Als Richtdosis für die Vitamin D3-Versorgung nennt KÖHLER (1996) 50-100 I.E. (=internationale Einheit) D3/kg Körpergewicht wöchentlich. Erwähnt wird auch, dass das Multivitamin-Präparat Multi-Mulsin eine für Reptilien günstige Vitaminzusammensetzung enthält. UV-Bestrahlung.

Prognose

Die Krankheit kann man aufhalten, aber die Folgen einer Rachitis sind nicht reversibel. Die betroffenen Tiere werden immer diese Deformierungen behalten, was aber nicht heißt, dass sie nicht lebensfähig sind. Unbehandelte Tiere jedoch können eingehen, da sie mit erweichtem Kiefer nicht mehr richtig fressen können.

Prophylaxe

Regelmäßige Versorgung der Tiere mit Vitaminen und Mineralien. Dazu bestäubt man das Futter mit geeigneten Präparaten (Nekton MSA, zerriebene Sepiaschale, Multi-Mulsin, Nekton Rep, Korvimin etc.). Bei einigen Tieren kann man auch ein Schälchen mit einem Vitamin-/Mineralpulver ins Terrarium stellen. Ob die Versorgung mit UV-Licht für die Knochenentwicklung wichtig ist, wenn man die Tiere mit Vitamin D3 oral versorgt, ist, so weit ich weiss, nicht hinreichend geklärt, dennoch kann der Einsatz einer UV-Lampe nicht schaden.

 

Literatur

BRUINS, E.: Terrarien Enzyklopädie. - Karl Müller Verlag, Erlangen: 320 S.

DÄMMRICH, K. & H. LOPPNOW (1990): Stoffwechselstörungen. - In: STÜNZI, H. & E. WEISS (Hrsg.): Allgemeine Pathologie für Tierärzte und studierende der Tiermedizin, 8. Aufl. - Berlin (Verlag Paul Parey): 64-153.

JES, H. (1988): Echsen als Terrarientiere - Anschaffung, Pflege, Ernährung, Krankheiten und Terrarientechnik. - Gräfe und Unzer Verlag, München: 72 S.

KÖHLER, G. (1992): Artgerechte Ernährung und ernährungsbedingte Erkrankungen des Grünen Leguans, Iguana iguana (LINNAEUS 1758). - Sauria, Berlin, 14(1): 3-8.

KÖHLER, G. (1996): Krankheiten der Amphibien und Reptilien. - Ulmer Verlag, Stuttgart: 168 S.

SILBERNAGL, S.; LANG, F. (1998): Taschenatlas der Pathophysiologie. - Georg Thieme Verlag, Stuttgart: 406 S.

TOELLNER, R.; TSOUYOPOULOS, N.; SADEGH-ZADEH, K. (1987): Kursus der medizinischen Terminologie. - Burgverlag, Tecklenburg: 147 S.

 

 

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