Grüner Baumpython

Morelia viridis (SCHLEGEL, 1872)

Synonym: Chondropython

 

Das Epitheton “viridis” bedeutet grün und bezieht sich auf die normalerweise grünliche Färbung dieser Art.

engl.: Green Treepython

 

Schutzstatus

CITES Anhang II

 

Beschreibung

Morelia viridisDer Grüne Baumpython war lange Zeit als einziger Vertreter seiner Gattung unter dem Namen Chondropython viridis bekannt und wird von vielen Terrarianern auch weiterhin so benannt. Wie der deutsche Name schon sagt, hält sich diese vorwiegend nachtaktive Schlange hauptsächlich in Bäumen auf. In Feldstudien konnte jedoch beobachtet werden, dass sich die Tiere nicht selten auch am Boden aufhalten, um zu jagen oder zu ruhen. Der bevorzugte Lebensraum sind Regenwälder und Bambusdickicht in der Nähe von Gewässern. Morelia viridis kommt bis in Höhen von 2000 m vor. Der Kopf mit den vertikalen Pupillen auf gelber Iris ist gut vom im Querschnitt dreieckigen Körper abgesetzt und sieht besonders wegen der großen Öffnungen in den vorderen Supralabialia spektakulär aus. Weitere Gruben befinden sich in den mittleren Infralabialschuppen. Die Öffnungen führen zu den thermorezeptorischen Gruben. Charakteristisch ist auch die Ruhestellung des Baumpythons. Dabei legt sich die Schlange in Schlingen um einen Ast und lagert ihren Kopf im Zentrum auf ihrem Körper. Jungtiere und adulte Tiere sind unterschiedlich gefärbt. Die Grundfarbe der Adulti ist ein sattes Grün. Auf dem Rücken und den Flanken befinden sich weiße oder gelbliche Flecken. Gelegentlich findet Morelia viridisman Exemplare mit bläulichen Flecken oder sogar blauer Grundfärbung. Die Bauchseite ist meist cremeweiß gefärbt. Jungtiere dagegen sind gelb, orange, braun oder ziegelrot gefärbt. Auch das Fleckenmuster auf dem Rücken ist ausgeprägter. Es sind viele kleine weiße oder gelbe Flecken, die bräunlich umrandet sind, vorhanden. Über der Wirbelsäule befindet sich meist ein durchgehender bräunlicher Streifen. Ähnlich wie bei Geckos der Gattung Phelsuma können abgeheilte Wunden eine andere Färbung aufweisen. Der einrollbare Schwanz dient zum Greifen. Vom ganzen Habitus her ähnelt der Grüne Baumpython sehr dem Hundskopfschlinger (Corallus caninus). Insgesamt handelt es sich bei Morelia viridis um eine sehr ruhige Art, die sich selten bewegt und oft stundenlang in Lauerstellung verharrt. Eine Ausnahme bilden Männchen während der Paarungzeit und Jungtiere.
M. viridis kann eine Länge von 140-200 cm erreichen. Männchen mit eine Länge von 1,5 m können dann ein Gewicht von knapp 1300 g und Weibchen von 1400 g haben.

Geschlechtsunterschiede

Männchen bleiben in der Regel kleiner und schlanker als die Weibchen und haben dickere und längere Schwänze. Laut SCHU (1998) haben männliche Baumpythons längere Aftersporne und die Schwanzwurzel ist verdickt. Eine relativ sichere Methode zur Geschlechtsbestimmung ist die Sondierung der Kloake. Bei Männchen läßt sich die Sonde auf einer Länge von 9-10 und bei Weibchen auf einer Länge von 2 Subkaudalschuppen (BACHS TABERNER 1996) bzw. 2-5 Schuppen (SCHU 1998) einführen. WEIER (2000, 2005) empfiehlt, dass eine Sondierung erst ab einem Alter von einem Jahr erfolgen sollte, da die Verletzungsgefahr vorher zu groß ist.

Verbreitung

Neuguinea (West-Irian und Papua-Neuguinea), Nordaustralien (Cape York-Halbinsel) und einige Insel des Aru-, Shouten- und Salomonen-Archipels.

Haltung im Terrarium

Terrarium

Das Terrarium für die Haltung eines adulten Pärchen sollte eine Mindestgröße von 0,75 x 0,5 x 1,5 mal der Körperlänge der Tiere haben. VAN RIEL (1982) hielt ein Pärchen in einem Terrarium mit den Maßen von 100 x 65 x 170 cm. Für die Jungtieraufzucht verwendet WEIER (2000) Terrarien mit den Maßen 25 x 30 x 40 cm. SCHU (1998) verwendet Terrarien mit einer Größe von 20 x 20 x 30 cm. WEIER (2005) empfiehlt die Verkleidung der Seitenwände mit z.B. Korkplatten, da die Schlangen bei fehlendem Sichtschutz gestresst sind und unruhig herumkriechen.

Licht

Die Beleuchtung dient hauptsächlich zur Simulation des Morelia viridisTag-/Nachtrhythmus. Hierzu verwendet man z.B. Leuchtstoffröhren, die passend zur Terrariengröße ausgewählt werden. WEIER (2005) verwendet bei den Terrarien für die Adulti außerdem einen handelsüblichen 60 Watt Strahler und einen 60 Watt Elsteinstrahler. Die Terrarien für die Jungtieraufzucht werden mit an einem Dimmer angeschlossenen Backofenbirnen beleuchtet. Eine spezielle UV-Beleuchtung ist nicht notwendig, die Tiere sind nachtaktiv. Alle Lampen, die Wärme entwickeln, müssen durch einen Drahtkorb von den Tieren getrennt werden, da sich die Schlangen sonst ernsthaft verbrennen können. Um ein starkes Austrocknen der Luft zu vermeiden, bringt SCHU (1998) die Beleuchtung außerhalb des Terrariums an. Das Licht ist außerhalb der Ruhezeit 12 Std. tgl. an. In der Ruhezeit wird nur 8-10 Std. beleuchtet.

Temperatur

Im natürlichen Lebensraum können die Temperaturen extrem schwanken. So können in den Bergwäldern Neuguineas z.B. Tiefsttemperaturen von 14 °C vorkommen. Unterschiedlich sind auch die Angaben von Züchtern: Tagsüber bis 30-31 °C. Nachts 23-24 °C, wobei lokal unter den Strahlern 37 °C erreicht werden können (WEIER 2000, 2005). WEIER erwähnt jedoch, dass mit Ausnahme trächtiger Weibchen, die stark erwärmten Regionen von den Schlangen gemieden werden. VAN RIEL (1982) erwähnt 27 °C am Tag und 24 °C nachts, wobei unterhalb des Strahlers Temperaturen bis 33 °C erreicht werden. Zur Paarungszeit sollten insbesondere die Nachttemperaturen ca. 2-4 °C niedriger liegen. SCHU (1998) hält Jungtiere bei konstanteni 28 °C. Bei WEIER (2005) herrschen im oberen Drittel der Aufzuchtterrarien tagsüber 30 °C und am Boden 25 °C, nachts sinken die Temperaturen auf 23 °C.

Luftfeuchtigkeit

Tagsüber 70%, nachts 90-100%. Bei der Aufzucht der Jungschlangen ist auf ein hohe Luftfeuchtigkeit zu achten. WEIER (2005) besprüht die Terrarien und die Jungschlangen 2 x tgl. Ein Zeichen für zu niedrige Feuchtigkeit sind z.B. Häutungsreste am Körper. Eine Nebelanlage ist hilfreich. Alternativ kann das Terrarium mehrmals täglich mit lauwarmem Wasser eingesprüht werden.

Einrichtung

Gerade in der Haltung von Morelia viridis haben sich sehr spartanisch eingerichtete TerrarienMorelia viridis durchgesetzt. Viele Züchter halten sie z.B. in Styroporterrarien, die mit mindestens einem waagerechten und stabilen Kletterast und Kunstpflanzen eingerichtet sind. SCHU (1998) verwendet jedoch bevorzugt echte Pflanzen, da sonst die Luftfeuchtigkeit zu stark sinkt. VAN RIEL (1982) verwendet als Einrichtung ebenfalls nur dicke Äste. Der Boden ist mit Linoleum beklebt. WEIER (2005) richtet mehrere horizontal angebrachte und dem Durchmesser der Schlangen entsprechende Buchenäste in unterschiedlichen Höhen ein. Auch er verwendet echte Pflanzen. Geeignete Pflanzen seien verschiedene Gummibaumarten, Drachenbaum, Efeutute und Schefflera. Als Bodengrund verwendet er Blähton mit einem Durchmesser von 1-2 cm. Eine Wasserschale sollte nicht fehlen. Bei WEIER (2005) nimmt diese 1/3 der Bodenfläche ein und dient seiner Beobachtung nach dem Abkoten. Trinkwasser wird über eine weitere Schale aufgenommen, die in den Ästen angebracht ist. Obwohl Baumpythons wie der Name schon sagt im Grunde Baumbewohner sind, halten sie sich nicht selten auch am Boden auf. Deshalb empfiehlt MAXWELL (2007), dass das Bodensubstrat warm sein sollte und nicht zu nass. WEIER (2005) rät jedoch von einer Bodenheizung ab, da dadurch die kühleren Rückzugszonen aufgehoben werden. Auf allzu rauhe Einrichtungsgegenstände sollte verzichtet werden, da sich die Schlangen häufig wundscheuern. SCHU (1998) richtet das Terrarium so ein, dass 1/3 der Bodenfläche von einem Wasserbehälter eingenommen wird. Von dort wird das Wasser über einen Filter mit einer Pumpe 50 cm hoch gepumpt und läuft über die Rückwand wieder in die Wanne. So wird tagsüber eine Luftfeuchtigkeit von 60% und nachts 90% erreicht.

Fütterung

Morelia viridisVerfüttert werden z.B. Küken sowie Nagetiere wie Mäuse und Ratten. In der Natur erbeuten die Schlangen auch Vögel und vermutlich Fledermäuse. Gelegentlich wird die Beute durch Bewegungen der Schwanzspitze angelockt. Die Fütterung der Jungtiere ist meist problematisch, da sie häufig anfangs die Nahrungsaufnahme verweigern, so dass sie zwangsernährt werden müssen. WEIER (2005) vermutet, dass das möglicherweise daran liegt, dass in Gefangenschaft nicht das natürliche Futter angeboten wird. Es gibt Hinweise dafür, dass in freier Wildbahn kleine Amphibien und Reptilien als erste Nahrung dienen (SWITAK 1975, MCDOWELL 1975). Im Terrarium verfüttert man anfangs Nacktmäuse. VAN RIEL (1982) spricht von 2 Jungmäusen, die jede Woche verfüttert werden. Sollten die Jungschlangen nicht fressen, hält WEIER (2005) mit einer Pinzette eine tote Maus vor das Maul des Pythons und reizt ihn solange, bis er zubeisst. Hat man die Schlange so weit, darf man sich nicht bewegen, bis der Schluckvorgang einsetzt, ansonsten wird das Futter fallengelassen. Zur Zwangsfütterung sollte erst 5-6 Wochen nach der ersten Häutung übergegangen werden. Im Falle einer Zwangsfütterung wird das Futter mit Wasser gleitfähig gemacht werden. Solange Nacktmäuse gefressen werden, ist der Kot breiig bis flüssig und kein Grund zur Beunruhigung. Eine übermäßige Fütterung sollte vermieden werden, damit die Schlangen nicht verfetten. MAXWELL (2007) verfüttert z.B. alle 10-14 Tage kleine Ratten. VAN RIEL (1982) dokumentierte, wieviel seine Schlangen durchschnittlich im Jahr fraßen. Er erwähnt für sein Männchen 40 Küken und 11 kleine Ratten. Das Weibchen fraß 17 große Ratten. WEIER(2005) empfiehlt eine nächtliche Fütterung passend zur Aktivitätszeit und verfüttert an adulte Schlangen alle 3-4 Wochen eine mittlere Ratte (ca. 90 g). Männliche Baumpythons legen jedes Jahr etwa zur selben Zeit eine Fastenpause ein, die mehrere Monate dauern kann. Außerhalb der Tropen liegt diese Pause in den Herbst- und Wintermonaten. Diese Fastenzeit gehört zum natürlichen Lebenszyklus der Schlangen und sollte den Halter nicht beunruhigen. MAXWELL (2007) berichtet von bis zu 5 Monaten. Gesunde Tiere verlieren in dieser Zeit kaum an Gewicht. WEIER (2005) erwähnt einen Gewichtsverlust von 50 g in ca. 3 Monaten. Meist fangen die Männchen wieder an zu fressen, wenn sie nach der Paarungszeit von den Weibchen getrennt werden. Auch vor der Häutung nehmen die Pythons wie andere Schlangenarten auch keine Nahrung zu sich. Neu erworbene Tiere können gelegentlich ebenfalls über längere Zeit die Nahrungsaufnahme verweigern. Zusätzliche Vitamingaben scheinen für das Wohlbefinden der Schlangen nicht notwendig zu sein (WEIER 2005).

Zucht

Morelia viridisWEIER (2000, 2005) hält die Schlangen außerhalb der Paarungszeit nach Geschlechtern getrennt. Ähnlich geht auch SCHU (1998) vor. So lässt sich einerseits die Paarungsbereitschaft erhöhen und außerdem vermeidet man so stressbedingte Krankheiten. Nur zur Paarung werden die Pythons zusammengesetzt. Idealerweise wartet man die Häutung des Weibchens ab. Dies soll aufgrund von Produktion von Pheromonen zu einer verstärkten Paarungsaktivität beim Männchen führen (WEIER 2005). Für eine erfolgreiche Zucht ist eine kühle Haltungsperiode mit erniedrigten Nachttiefstwerten notwendig. Eine spezielle Jahreszeit zur Paarung gibt es nicht, und Paarungen können in der Natur vermutlich das ganze Jahr hindurch stattfinden. WEIER (2005) beobachtete jedoch, dass die stärkste Paarungsaktivität in unseren Breiten im September/Oktober beginnt und bis April andauern kann. Dann senkt er die Nachttemperaturen von 24 auf 21 °C ab. Männchen suchen zu dieser Zeit verstärkt kühlere Bereiche auf. Möglicherweise brauchen sie die Abkühlung zur Bildung von Spermienzellen. Die Tagestemperaturen werden von 29 auf 31°C erhöht, um Erkältungen wegen der niedrigen Nachttemperaturen zu vermeiden (WEIER & VITT 1999). Auch die Beleuchtungsdauer wird von 12 auf 10 Stunden (SCHU 1998) verkürzt. (WEIER 2005) reduziert die Beleuchtung innerhalb von 2 Wochen. VAN RIEL (1982) reduziert die Beleuchtung sogar auf 8 Stunden. Während der Paarung kriecht das Männchen auf den Rücken des Weibchens. Ist dieses paarungwillig, stülpt das Männchen seinen Hemipenis nach außen und es kommt zur Kopulation. Die Paarung selbst kann mehrere Stunden dauern und findet in den nächsten Tagen mehrfach statt. Trächtige WeibchMorelia viridisen stellen die Nahrungsaufnahme für gewöhnlich ein. Spätestens wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, sollten die Männchen wieder von den Weibchen getrennt und Nachttemperaturen sowie Beleuchtungsdauer angehoben werden. SCHU (1998) erwähnt, dass trächtige Weibchen insbesondere im letzten Drittel der Trächtigkeit stark an Volumen zunehmen. Auch die Farbe ändere sich in ein leichtes Hellblau. Tiere aus der Region Biak sollen sogar nach der Eiablage einen geringen Blauanteil behalten, so dass sie nach 10 Jahren fast blau gefärbt sind. Auch WEIER (2005) berichtet, dass z.T. sogar schwarze Schuppen auftreten und vermutet, dass die dunklere Färbung einer besseren Wärmeabsorption dienen könnte. Während der Trächtigkeit empfiehlt SCHU (1998), dass die Weibchen nicht über 31 °C gehalten werden sollten, da dies zu einer erhöhten Anzahl von Geburtsdefekten führen kann. Im Gegensatz dazu berichtet WEIER (2005), dass gerade trächtige Weibchen vermehrt wärmere Regionen im Terrarium aufsuchen. Laut WEIER (2000, 2005) erfolgt 14-24 Tage, in der Regel zwischen dem 19. und 21. Tag vor der Eiablage eine Häutung. Spätestens dann wird eine Bruthöhle mit den Maßen von 30 x 25 x 25 cm angeboten, welcher an einem erhöhten Platz im Terrarium aufgestellt wird, da die Nistkästen hier lieber angenommen werden als am Boden. Diese Kisten haben ein Einschlupfloch an der Vorderseite und einen Deckel, der geöffnet werden kann. Die Kiste ist in eine obere Kammer, die 2/3 des Inhalts ausmacht und in eine kleinere untere Kammer aufgeteilt, welche durch ein Lochblech voneinander getrennt sind. Als Brutsubstrat in der oberen Kammer verwendet WEIER (2000, 2005) in eine Schale gefülltes Moos. In die untere Kammer wird eine Schale mit Wasser aufgestellt, die durch eine Heizmatte erwärmt wird, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die notwendige Luftfeuchtigkeit nur über die Luft und nicht über das Substrat erreicht wird. WEIER & VITT (1999) berichten, dass es sonst zu nekrotisierenden Hautinfektionen beim Weibchen kommen kann. SCHU (1998) bietet den Schlangen als Eiablageplatz einen umgestülpten Plastikblumentopf mit einem seitlichem Schlupfloch. Dieser Topf wird dann auf einen Unterteller gestellt. Auch hier wird die Temperatur im Inneren durch eine Heizmatte auf ca. 30 °C erhöht. Etwa eine Woche vor der Eiablage kriechen die Schlangen unruhig durch das Terrarium und inspizieren mögliche Eiablageplätze. 3-4 Monate nach der Paarung werden schließlich 11-32 Eier abgelegt, die wie bei anderen Pythons verteidigt und ausgebrütet werden. WEIER (2005) bevorzugt es, die Eier vom Weibchen selbst ausbrüten zu lassen. So erreiche er eine Schlupfrate von 92,8 %. Im Nistkasten herrschen Bruttemperaturen von tagsüber 31-31,8 °C und nachts 29,5-31 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 90-100% (WEIER 200, 2005). Bei Temperaturen unter 29 °C sorgen die Weibchen durch Muskelkontraktionen für eine Erhöhung der Temperatur. Unter o.g. Temperaturen schlüpfen die Jungtiere nach etwa 49-52 Tagen und haben eine Größe von 33-36 cm bei einem Gewicht von 11-15 g (WEIER 2000, 2005). Entscheidet man sich dazu, die Eier vom Muttertier ausbrüten zu lassen, empfiehlt SCHU (1998), dass Temperaturen von über 28°C und eine Luftfeuchtigkeit von 100% gewährleistet sein sollten. Seiner Erfahrung nach sind Jungtiere, die aus einer Naturbrut kommen größer und schwerer. Will man die Eier in einem Inkubator ausbrüten, sollte darauf geachtet werden, dass sie nie mit Wasser in Kontakt kommen. Deshalb scheidet Vermiculit als Brutsubstrat aus. Eher empfiehlt sich Filtersubstrat, oder aber man baut sich einen Brutbehälter, der in zwei Kammern geteilt ist, die durch ein Gitter getrennt sind. In die untere Kammer wird Wasser eingefüllt und in die obere Kammer legt man die Eier. SCHU (1998) berichtet über eine Inkubationszeit von 45-55 Tagen. Durchschnittlich sind die Morelia viridisJungschlangen 30 bis 35 cm lang und wiegen 6-10 g. VAN RIEL (1982) bebrütet die Eier ähnlich wie WEIER in feuchtem Sphagnum-Moos, welches in einer tiefen Schale ausgelegt wird. Hierüber stülpt er einen Keramiktopf. Die gesamte Konstruktion wird in ein Aquarium gestellt, welches 10 cm hoch mit Wasser gefüllt ist. Das Wasser wird mit einem Heizstab beheizt. Die Inkubationstemperatur lag durchgehend zwischen 29-29,5 °C. Nach 50-52 Tagen schlüpften die Jungtiere und wogen durchschnittlich 9 Gramm. WEIER (2005) leistet 36 Stunden, nachdem die ersten Eier angeschnitten worden sind Schlupfhilfe, da es sonst bei längerem Zuwarten zum Erstickungstod kommen kann. In einem Gelege findet man unterschiedlich gefärbte Jungtiere. Sie verhalten sich anfangs sehr aggressiv und sollten deshalb einzeln aufgezogen werden. Die erste Häutung findet nach 3 (WEIER 2000) bzw. einer Woche statt (SCHU 1998). VAN RIEL (1982) gibt als ersten Häutungszeitpunkt etwa 2 Wochen an. Bis dahin ernähren sich die Schlangen von ihrem Dottersack. Die Jungtiere nehmen spätestens nach anderthalb Jahren die Färbung der adulten Tiere an, im Durchschnitt beginnt die Farbumwandlung mit 6-8 Monaten. WEIER (2000) empfiehlt einen vorsichtigen Umgang mit den Jungschlangen, wenn man sie von ihrem Ast lösen will, da es bei unkontrolliertem Zerren am Tier zu einer irreparablen Dislokation der Schwanzwirbel kommen kann. Bei guter Fütterung können die kleinen Baumpythons innerhalb eines Jahres von 35 cm auf 67 cm heranwachsen. Das Gewicht nimmt in der selben Zeit von 14 g auf 86 g zu. Die Geschlechtsreife tritt bei Männchen in einem Alter von 2,5 und bei Weibchen in einem Alter von 3,5 Jahren ein (WEIER 2005). Die Naturbrut ist eine sehr anstrengende Situation für das Muttertier, das in dieser Zeit ca. 1/3 des Körpergewichts einbüßen kann. Um Problemen vorzubeugen sollte eine Zuchtpause von 1,5 Jahren eingehalten werden (WEIER 2005).

Probleme bei der Haltung

MAXWELL (2007) beschreibt häufige Probleme, die bei der Haltung von Morelia viridis auftreten können. Baumpythons reagieren empfindlich auf zu niedrige Luftfeuchtigkeit. Um Häutungsreste zu entfernen empfiehlt MAXWELL die Schlangen in eine Wanne zu legen und mit einem feuchten Badehandtuch abzudecken. Jungtiere werden in mit feuchten Zellstofftüchern ausgelegte Plastikdosen überführt (z.B. Grillendosen). Sie können 2-3 Tage in dieser Dose bleiben. Die aufgeweichten Hautreste fallen von selbst ab oder müssen von Halter entfernt werden. Ein weiteres Problem ist die Lethargie der in Gefangenschaft gehaltenen Baumpythons. Das führt gelegentlich dazu, dass einige Exemplare den Schwanz vom Ast runterhängen lassen. Dieses Verhalten soll oft in Verbindung mit einer Auswölbung vor dem Bauch auftreten, die auf eine beginnende Darmverschiebung hinweist. Einer Lethargie kann durch Auswahl eines größeren Terrariums und durch nicht allzu üppige Fütterung vorgebeugt werden. Sollte ein Tier allerdings den Schwanz bereits hängen lassen, rät MAXWELL dazu, unter den Ruheplatz eine Wasserschale zu stellen, damit die Tiere dazu animiert werden, den Schwanz anzuheben. Manchmal kommt es vor, dass einige Schlangen sich die Haut am Kopf wundscheuern. Besonders Jungtiere sollen sich leicht wundscheuern, wenn sie sich zwischen Wasserschale und Terrarienscheibe zwängen. Aus diesem Grund sollten die Schalen nicht zu nah an die Scheibe gestellt werden. Adulte Schlangen fügen sich am ehesten an den Lüftungsgittern Wunden zu. In Terrarien von Adulti sollten Lüftungen aus Plastik verwendet werden. Zu den ernsthafteren Erkrankungen zählen die Atemwegsinfektionen, die sich durch ein rasselndes Geräusch insbesondere beim Einatmen sowie durch Husten und Niesen bemerkbar machen. Ähnlich wie bei anderen Reptilien auch kann man gelegentlich beim Atmen Blasen in den Nasenlöchern erkennen. Die Therapie besteht zunächst darin, die Temperatur im Becken zu erhöhen. Dann sollte eine Vorstellung bei einem Tierarzt erfolgen, um ggf. eine Antibiose festzulegen. Eine weitere gefährliche Komplikation ist der Darmvorfall. Gelegentlich kommt es vor, dass die Schlangen nach dem Abkoten den vorgestülpten Darm nicht mehr in den Körper zurückziehen können. Das führt zur Abklemmung des betroffenen Stücks mit Ödembildung und letzendlichem Absterben durch Minderversorgung mit Blut. Eine genaue Ursache für diese Erkrankung ist nicht bekannt, jedoch schließt MAXWELL eine starke Fütterung aus, da auch Tiere, die kleine Mahlzeiten bekommen erkranken und andererseits Schlangen, die große Mahlzeiten zu sich nehmen, nie erkranken. WEIER (2005) beobachtete dieses Problem häufig bei Jungschlangen und vermutet im Gegensatz zu MAXWELL die Art und Menge des Futters als Ursache, da bei Verfütterung von kleinen Futtertieren die Probleme seltener auftreten würden. Die Behandlung besteht darin, den Darm so schnell wie möglich wieder zurückzuführen. Bei erfolgreich behandelten Tieren tritt das Problem selten erneut auf.

 

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