Häutungsschwierigkeiten

 

Einleitung

Häutungsschwierigkeiten kommen in der Terraristik sehr häufig vor und vermutlich war so ziemlich jeder Reptilienhalter mit diesem Problem konfrontiert.

Ätiologie

Zu trockene Haltung, schlechter Ernährungs- und/oder Allgemeinzustand, Fehlen von rauhen Gegenständen, an denen sich die Tiere reiben können, Allgemeinerkrankungen und zu kühle Haltung. Möglich ist evtl. auch ein Vitamin-A-Mangel (BRUINS)

Pathogenese

Dadurch, dass sich die Hornhaut bei zu trockener Haltung nicht aufweichen kann, bleibt sie kleben. Diese Hautreste schnüren häufig die Akren (Schnauzenspitze, Schwanz und Zehen) so sehr zu, dass es wegen der ohnehin schlechten Blutversorgung dieser Regionen zu Nekrosen (nekros = Leichnam; in diesem Fall ist Nekrose als totes Gewebe zu übersetzen) kommt.

Symptome

  • Leitsymptom: Hautreste, die besonders häufig an den Akren (Hautanhängseln) vorkommen.
  • Schwarze Zehen oder Schwanzspitzen, die auf Nekrosen hindeuten.
  • Bei Lidgeckos zusammengekniffene Augen kurz nach der Häutung, wenn noch Hautreste im Auge verblieben sind und eine Reizung verursachen.
  • Bei Schlangen verbleibt die trübe “Brille” nach der Häutung, wenn das Auge nicht mitgehäutet wird.

Diagnostik

Reine Blickdiagnostik. Die Symptome führen zum Ziel.

Differentialdiagnosen

  • Wunden (Schorf)

Therapie

Häutungsschwierigkeiten gehören zu den Komplikationen, bei denen der Pfleger ruhig selber therapieren kann und meiner Meinung nach auch soll, solange es sich um kleinere Hautreste handelt, die Augen und Hemipenes nicht betroffen sind und keine großflächigen Nekrosen vorliegen. Bei Reptilien entstehen die Hemipenes auch aus dem Ektoderm, aus dem sich auch die Haut entwickelt, deshalb werden sie mitgehäutet. KÖHLER (1996) erwähnt, dass man in solchen Fällen Paraffinöl in die Hemipenistaschen gibt und die Tiere badet, um diese Hautreste leicht zu entfernen. Wenn bei Schlangen die “Brille” nicht mitgehäutet wurde, bedeckt man die Augen über mehrere Stunden mit feuchten Kompressen und zieht die Hautreste danach vorsichtig mit einer Pinzette ab. Bei der Therapie hat so ziemlich jeder sein Spezialrezept. Ich persönlich setze die Tiere in eine Plastikwanne, in die ich reines, lauwarmes Wasser gieße, so dass die betroffenen Gebiete in Wasserkontakt stehen. Das ist meistens schon nach wenigen Millimetern Wasserhöhe der Fall. Das Tier verbleibt dann 5-10 Minuten in der Wanne, danach kann man die Hornhaut ohne Probleme mit einer Pinzette abziehen. Vorsicht ist am Schwanz geboten, da es schnell passieren kann, dass Echsen beim Abziehen diesen abwerfen. Lieber länger einweichen lassen, damit man die Haut ohne viel Kraftaufwand entfernen kann. Andere stellen die Reptilien in separate Wannen, die mit nassem Küchenpapier ausgelegt sind, oder baden die Tiere in lauwarmem Kamillentee, dieser hat zwar bekanntermaßen einen hornhautaufweichenden Effekt, aber nach meiner Erfahrung reicht auch völlig normales Wassser. Große Schlangen kann man z.B. auch in eine Wanne überführen und mit einem feuchten Badetuch abdecken. In hartnäckigen Fällen kann man die Hautreste mit Unguentolan-Lebertransalbe (KÖHLER 1996) oder reiner Vaseline einschmieren und so länger einwirken lassen. Abgestorbenes Gewebe sollte entfernt werden, obwohl meiner Erfahrung nach abgestorbene Zehen bei kleineren Echsen ohne Probleme narbig ausheilen, auch wenn die Zehen nicht amputiert wurden. Sie fallen nach einiger Zeit einfach ab. Was anderes ist es, wenn es zu Komplikationen kommt (z.B. Infektionen, erkennbar an Eiter und Ausbreitung der Nekrose).

Nicht zu vergessen ist, dass man nach den Ursachen für die Häutungsschwierigkeiten suchen muss.

Prognose

Die Prognose ist bei rechtzeitigem Eingriff sehr gut. Abgeschnürte Akren werden zuerst livide und danach schwarz. Solange das Gewebe noch nicht schwarz ist, kommt es in den meisten Fällen zu einer restitutio ad integrum (d.h. völlige Ausheilung, als wäre nie was passiert). Schwarzes Gewebe ist tot und ist nicht mehr zu retten.

Prophylaxe

Man muss den Tieren feuchte Gebiete im Terrarium bieten. Bei Schlangen benutzt man z.B. Wasserwannen, die von den meisten Arten gerne angenommen werden. Wüstentieren bietet man z.B. feuchte Höhlen, dazu hebt man die Höhle in regelmäßigen Abständen hoch und besprüht das Substrat darunter mit Wasser. Meinen Leopardgeckos biete ich zusätzlich Margarinedosen, die entweder mit feuchtem Moos, Vermiculit oder feuchtem Sand gefüllt sind. Weiterhin achtet man darauf, daß die klimatischen Bedingungen stimmen (Temperatur etc.) und die Tiere mit Vitaminen versorgt sind.

 

Literatur

BRUINS, E.: Terrarien Enzyklopädie. - Karl Müller Verlag, Erlangen: 320 S.

JES, H. (1988): Echsen als Terrarientiere - Anschaffung, Pflege, Ernährung, Krankheiten und Terrarientechnik. - Gräfe und Unzer Verlag, München: 72 S.

KÖHLER, G. (1996): Krankheiten der Amphibien und Reptilien. - Ulmer Verlag, Stuttgart: 168 S.

SILBERNAGL, S. & F. LANG (1998): Taschenatlas der Pathophysiologie. - Georg Thieme Verlag, Stuttgart: 406 S.

TOELLNER, R., N. TSOUYOPOULOS & K. SADEGH-ZADEH (1987): Kursus der medizinischen Terminologie. - Burgverlag, Tecklenburg: 147 S

 

 

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