Fibröse Osteodystrophie

(fibra = Faser; osteon = Knochen, dys- = fehl-, miß-; trophé = Ernährung, Wachstum)

 

Einleitung

Die fibröse Osteodystrophie ist eine Stoffwechselerkrankung, die bei Pflanzenfressern nicht selten ist. KÖHLER (1996) nennt hier die Gattungen Ctenosaura, Cyclura und Iguana sowie Landschildkröten. Diese Krankheit wird häufig mit der Rachitis verwechselt.

Ätiologie

Falsches Kalzium:Phosphat-Verhältnis in der Nahrung, das zugunsten des Phosphats verschoben ist (führt zu sekundärem Hyperparathyreoidismus). Niereninsuffizienz (entweder die Niere scheidet zu viel Kalzium aus, oder sie scheidet zu wenig Phosphat aus), Tumoren der Nebenschilddrüse (primärer Hyperparathyreoidismus) .

Pathogenese

Durch den erhöhten Phosphatwert im Blut kommt es auf Dauer zur Überfunktion der Nebenschilddrüse, die vermehrt PTH (Parathormon, Parathyrin) ausschüttet, welches das Herauslösen von Kalzium aus dem Knochen bewirkt, damit das Kalzium:Phosphat-Verhältnis im Blut wieder stimmt. Auf diese Weise wird der Knochen demineralisiert und verliert an Stabilität. Sensoren im Knochen registrieren diesen Stabilitätsverlust und bewirken einen vermehrten Einbau von Bindegewebe, d.h., der Körper versucht den qualitativ schlechten Knochen durch Quantität aufzuwerten, damit er nicht bricht. Daraus resultiert eine massive Umfangsvermehrung der Extremitäten.

Symptome

  • Leitsymptom: Umfangsvermehrung besonders belasteter Knochen
  • Weiche und Verformbare Knochen (z. B. Schädel)

Diagnostik

In diesem Fall reicht die alleinige Blickdiagnostik nicht aus, um die Krankheit z.B. von einer Rachitis zu unterscheiden. Wichtig sind die Laborwerte, in denen man ein zugunsten des Phosphats verschobenes Kalzium:Phosphat-Verhältnis findet. Erhöhte Werte der alkalischen Phosphatase weisen auf einen erhöhten Knochenabbau hin. Weiterhin findet man erhöhte PTH-Werte. Röntgenbilder zeigen Knochen mit vermehrtem Umfang.

Differentialdiagnosen

  • Rachitis/Osteomalazie
  • Gicht
  • Knochenbrüche
  • Knochentumoren
  • Weichteiltumoren
  • fibröse Dysplasie

Therapie

Je nach Ätiologie. Bei Tumoren der Nebenschilddrüse muss diese entfernt werden. Bei Fehlernährung muss die Ernährung umgestellt werden. Massive Kalziumgaben (Kalzium-Laktat, Kalzium-Glukonat). KÖHLER (1996) sagt hierzu, dass man in diesem Fall eher zu viel als zu wenig Mineralstoffe geben sollte, da man das Kalzium eh fast nicht überdosieren kann.

Prognose

Die Krankheit kann man aufhalten, aber auch hier bilden sich Knochenveränderungen nicht mehr zurück.

Prophylaxe

Zur Prophylaxe versucht man ein Kalzium:Phosphat-Verhältnis von 1-1,5: 1 einzuhalten, das als ideal gilt (FRYE 1981, BURGMANN et al. 1993). Man bestäubt das Futter mit Kalzium und bietet den Tieren zusätzlich z.B. zerriebene Sepiaschale an. KÖHLER (1996) empfiehlt den Jungtieren, die besonders anfällig sind, Kalzium-Laktat über das Futter anzubieten. Futter mit einen schlechten Kalzium:Phosphat-Verhältnis sollte man seltener anbieten (Bananen, Äpfel, Honigmelone, Paprika, Pfirsich und Tomaten). Ein günstigeres Verhältnis liegt in Luzerne, Karotte, Klee, Löwenzahn, Spinat und Kresse vor. Detaillierte Angaben zu den genauen Verhältnissen kann man bei KÖHLER (1996) entnehmen.

 

Literatur

ANDERSON, M. P. & C. C. CAPEN (1976a): Fine structural changes of bone cells in experimental nutritional osteodystrophy of green iguanas. - Virchows Arch. Abt. B. 20: 169-184.

ANDERSON, M. P. & CAPEN (1976b): Nutritional osteodystrophy in captive Green Iguanas (Iguana iguana). - Virchows Arch. B. Cell Pathol. 21: 229-247.

ANDERSON, M. P. & CAPEN (1976c): Ultrastructural evaluation of parathyroid and ultimobranchial glands in iguanas with experimental nutritional osteodystrophy. Gen. comp. Endocr. 30: 209-222.

BRUINS, E.: Terrarien Enzyklopädie. - Karl Müller Verlag, Erlangen: 320 S.

BURGMANN, P. M., J. McFARLEN & K. THIESENHAUSEN (1993): Causes of hypocalcemia, and metabolic bone disease in Iguana iguana. - J. Small Exotic Anim. Med. 2(2): 63-68.

FRYE, F. L. (1981): Biomedical and surgical aspects of captive reptile Husbandry. - Edwardsville (Kansas) (Vet. Med. Publ. Comp.), 456 S.

JES, H. (1988): Echsen als Terrarientiere - Anschaffung, Pflege, Ernährung, Krankheiten und Terrarientechnik. - Gräfe und Unzer Verlag, München: 72 S.

KÖHLER, G. (1992): Artgerechte Ernährung und ernährungsbedingte Erkrankungen des Grünen Leguans, Iguana iguana (Linnaeus 1758). - Sauria, Berlin, 14(1): 3-8.

KÖHLER, G. (1996): Krankheiten der Amphibien und Reptilien. - Ulmer Verlag, Stuttgart: 168 S.

SILBERNAGL, S. & F. LANG (1998): Taschenatlas der Pathophysiologie. - Georg Thieme Verlag, Stuttgart: 406 S.

TOELLNER, R., N. TSOUYOPOULOS & K. SADEGH-ZADEH (1987): Kursus der medizinischen Terminologie. - Burgverlag, Tecklenburg: 147 S

WALLACH, J. D. & C. HOESSLE (1968b): Fibrous Osteodystrophia in Green Iguanas. - J. Am. Vet. Med. Assoc. 153: 863.

 

 

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