Cyanblaue Vogelspinne

Chromatopelma cyaneopubescens (STRAND, 1907)

 

engl.: Greenbottle Blue Tarantula


 

Schutzstatus

Kein internationaler Schutzstatus. Ein Export aus Venezuela ist jedoch aufgrund örtlicher Gesetze verboten.

Preiskategorie

Mittel. Auch wenn die Tiere mittlerweile häufig nachgezüchtet werden, bleibt der Preis erstaunlich stabil. Jungtiere ab der 2. Fresshaut kann man für 5€ kaufen. Mittelgroße Exemplare kosten schon zwischen 20-30€. Für adulte Spinnen muss man über 50€ berappen.

Schwierigkeitsgrad

Niedrig. Die Spinnen können sich gelegentlich mal aggressiv verhalten, obwohl sie die meiste Zeit sehr ruhig und friedlich sind. Die Art ist auch für Anfänger geeignet.

 

Beschreibung

Chromatopelma cyaneopubescensChromatopelma cyaneopubescens gilt nach wie vor als eine der schönsten bekannten Vogelspinnen der Erde. Die Art hat eine bewegte Namensgebung hinter sich: erst wurde sie von STRAND 1907 der Gattung Eurypelma zugeordnet, dann Delopelma, dann Rechosticta und schließlich Aphonopelma, bevor Dr. Günter SCHMIDT 1995 die neue Gattung Chromatopelma für sie aufstellte. Die Artbezeichnung bedeutet “dunkelblau behaart” (gr. kyaneos = dunkelblau, lat. pubescere = sich behaaren mit). Der Carapax ist bei adulten Exemplaren metallisch grün bis blau glänzend, bei juvenilen Spinnen ist er golden oder kupferfarben. Die Unterseite ist schwarz mit bläulichem Schimmer. Das Abdomen ist dicht mit langen rötlichen Brennhaaren bedeckt und die Extremitäten leuchtend blau gefärbt und mit kurzen gelben oder hellbraunen Haaren bewachsen. Bei Jungtieren trägt das rote Abdomen eine auffällige dunkle Zeichnung. Die Tiere können bis 8 cm Körperlänge erreichen. MARTINI (2007) berichtet über Körperlängen von 6 cm bei Männchen und 7,2 cm bei Weibchen. Die Beinlänge kann über 6,3 cm betragen. Die Tiere können ein Alter von 16 Jahren erreichen. Männchen absolvieren die Reifehäutung nach 2-3 Jahren und leben danach nur noch etwa 10 Monate. MARTINI (2007) berichtet sogar über eine Reifehäutung nach 22 Monaten. Weibchen sind nach 3-5 Jahren geschlechtsreif.

Verbreitung

Die Art ist auf ein sehr kleines Gebiet im Norden Venezuelas auf der Halbinsel Paraguaná bei Curaçao beschränkt (kein Wunder, dass sie blau ist). Dort bewohnt sie lichtes, teilweise sehr trockenes Buschland sowie Berg- und Savannenwälder, die extreme Klimawerte aufweisen. Kräftige Winde bringen hohe Luftfeuchtigkeit, die mit starker Sonneneinstrahlung und Temperaturen bis 40° C abwechseln. Die vereinzelten Bäume, über und über mit Tillandsien und Orchideen bewachsen, sind durch die Witterung zwergwüchsig. Der trockene Boden um sie ist mit Opuntienkakteen und Erdbromelien bedeckt. Dieser Lebensraum wird durch Hausziegen und ihre ausgewilderten Nachkommen stark geschädigt: die Tiere fressen die Bäume und Schösslinge so kahl ab, dass die Landschaft versteppt und für Chromatopelma cyaneopubescens in weiten Teilen nicht mehr bewohnbar ist. Die venezuelanische Regierung versucht nun durch Reservate, die Tiere zu schützen. Die Art tritt auch als Kulturfolger in Holzkonstruktionen von Hütten auf.

Verhalten

Chromatopelma cyaneopubescens im natürlichen HabitatDie Spinnen sind recht friedlich und tagaktiv. Gelegentlich reagieren sie bei zu extremer Störung mit Beinschlagen. Jungtiere sind deutlich hektischer und können sehr schnell auch an der Glasscheibe entlanglaufen. Über die Lebensweise in freier Wildbahn gibt es sehr widersprüchliche Angaben. Das Erscheinungsbild erinnert an das eines Bodenbewohners. Und tatsächlich berichtet Rick West über große Gespinste auf sandigem Boden in der Nähe von Vegetation. KLAAS konnte jedoch bei einer Führung durch venezuelanische Biologen 1998 nachweisen, dass die Spinnen rein arboricol leben. Sie leben offensichtlich in Baumhöhlen, die 1-2 Meter über dem Boden liegen. Die Aufnahme links stammt aus dem natürlichen Habitat. Adrián Afonso, der Fotograf, berichtete folgendes zum Habitat und zur Lebensweise: “Die Spinne wurde in der Wildnis, einem Trockenwald, fotographiert. Dieses Exemplar wurde jedoch am Rand eines Galeriewaldes gefunden. Sie leben normalerweise am Boden in kleinen Löchern. Im Lebensraum findet man meistens Büsche (dominiert von Akazien) und einige große Bäume.” Möglicherweise leben die Tiere eben sowohl am Boden als auch auf Bäumen. Am liebsten möchte man selbst nach Venezuela fahren, um sich persönlich vor Ort zu informieren.

Haltung im Terrarium

Eigene Erfahrung

Chromatopelma cyaneopubescensIch habe meine Spiderlinge auf einer Berliner Insektenbörse gekauft und viel Freude mit ihnen gehabt. Sie waren nach dem Schlupf schon relativ groß und sehr hübsch gefärbt. Nach einem Dreivierteljahr haben sich die Tiere immer mehr in Richtung der Eltern ausgefärbt. Sie wachsen durchschnittlich schnell und kleiden ihre komplette Behausung mit Gespinsten aus. Je größer sie werden, desto mehr verlieren sie ihre anfängliche Hektik. Tolle Tiere, die ich gern einmal züchten möchte.

Terrarium

Standard für Baumbewohner (30 x 30 x 40 cm). Da die Tiere offensichtlich auch häufig am Boden anzutreffen sind, empfiehlt sich, den adulten Exemplaren auch mehr Bodenfläche anzubieten. Im Prinzip sollten Terrarien mit einer Größe von 40 x 40 x 40 cm ideal sein.

Licht

Ein 25-30 Watt Halogenspot im oder über dem Terrarium (durch ein mittig angebrachtes Lüftungsgitter) schafft die nötige Wärme. Zur besseren Ausleuchtung können natürlich auch Leuchtstoffröhren verwendet werden, insbesondere wenn das Terrarium bepflanzt wird, sind diese sehr zu empfehlen.

Klima im Lebensraum von Chromatopelma cyaneopubescensTemperatur

Die Temperaturen fallen im Lebensraum das ganze Jahr über selten unter 30 °C (klick auf das Klimadiagramm links). Den natürlichen Verhältnissen entsprechend sollte man hohe Temperaturen von tagsüber 27-30 °C anbieten. Auch nachts sind die Temperaturen sehr hoch und fallen selten unter 18-20° C.

Luftfeuchtigkeit

Trotz hoher Temperaturen und insgesamt trockener Vegetation ist die Luftfeuchtigkeit aufgrund der Winde aus Meeresrichtung sehr hoch und liegt durchschnittlich deutlich über 70%. Im Terrarium sollte man deshalb versuchen durch regelmäßiges Sprühen 60-70% zu bieten.

Bodengrund

Blumenerde ist ideal als Bodengrund. MARTINI (2007) empfiehlt noch Torf und Sand unterzumischen und das Substrat mit einer Höhe von 5-7 cm einzufüllen. KOTHE (2003) erwähnt eine 5-10 cm hohe Schicht aus ungedüngter Blumenerde und Torf, die zur Hälfte feucht gehalten wird. Dem natürlichen Habitat entsprechend könnte man den Boden zusätzlich mit Laub auslegen.

Einrichtung

Eine diagonal eingebaute Korkeichenröhre mit einem Durchmesser von 5-6 cm dient als Versteck und imitiert die hohlen Bäume, die die Tiere in der Natur bewohnen sollen. Eine Bepflanzung mit klein bleibenden Bromelien ist möglich. Notwendig ist zudem ein Trinknapf von ca. 8 cm Durchmesser (Blumenuntersetzer) mit einem Stückchen Korkrinde als Rettungsring für Futtertiere.

Fütterung

Gefressen werden alle bekannten Futtertiere wie z.B. Heimchen, Grillen, Mehlwürmer und Schaben.

Zucht

Chromatopelma cyaneopubescens Laut KOTHE ist das größte Problem bei der Paarung die Ängstlichkeit der Männchen. Nach KLAAS ist diese durchaus begründet, da seine Weibchen direkt nach der Paarung blitzschnell ihren Partner töteten. Auch MARTINI (2007) berichtet, dass die deutlich kleineren Männchen meistens direkt nach der Kopulation vom Weibchen getötet werden. Bei ihm überlebten die Männchen nur, wenn die Weibchen sehr gut gefüttert wurden. Sechs bis acht Wochen nach einer erfolgreichen Paarung geht das Weibchen zum Kokonbau über. Die Kokons enthalten laut KLAAS bei jungen Exemplaren etwa 100 Eier. Dies gilt jedoch vermutlich nur für Tiere in freier Wildbahn. MARTINI (2007) berichtet über durchschnittlich 150-200 Eier pro Kokon. Ich weiß von dem Züchter, von dem ich meine Tiere gekauft habe, dass die Pärchen zum einen sehr wohl harmonieren können, wenn man sie aneinander gewöhnt und die Kokons bei großen Weibchen durchaus 400 Eier enthalten. Nach sechs bis zehn Wochen schlüpfen die bis zu 9 mm großen Larven, die im 1. Nymphenstadium bereits sehr schön gefärbt sind (siehe Foto). Sie haben einen goldfarbenen Carapax. Die Beine sind beigefarben bis rötlich. Die Tarsen und Femora sind schwarz. Das Abdomen ist ebenfalls schwarz mit rötlicher Zeichnung. Die Jungspinnen füttert man anfangs mit kleinen Insekten wie Drosophila oder Mikroheimchen. Hat man keine Futtertiere in passender Größe zur Verfügung, kann man auch größere Insekten anbieten, die man vorher abtötet und ins Terrarium legt. MARTINI (2007) berichtet, dass man mehrere Nymphen über einen Zeitraum von 7 Monaten zusammenhalten kann, ohne dass es zu nennenswertem Kannibalismus kommt.

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Literatur

FAULSTICH, J. (2011): Nachzuchtbericht von Chromatopelma cyaneopubescens (STRAND, 1907). - Arachne, 16(5): 8-9.

KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen

KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen. - Kosmos Verlag, Stuttgart, 122 S.

MARTINI, S. (2007): Chromatopelma cyaneopubescens (STRAND 1907) - Artbeschreibung, Haltung und Zucht (Araneae: Theraphosidae: Theraphosinae). - Arachne, 12(5): 11-18.

OCKERT, A. & R. OCKERT (1994): Delopelma cyaneopubescens (STRAND, 1907) (Venezuelan green-bottle blue) (Araneida: Theraphosidae: Theraphosinae). Eine für Deutschland neue Vogelspinne aus Venezuela. - Arachnol. Mag., 2(11): 8-11.

PETERS, H.-J. (2000): Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 1

PETRUNKEVITCH, A. (1939): Catalogue of American spiders. Part one. - Trans. Connect. acad. Sci., 33: 133-338.

SCHMIDT, G. E. W. (1995a): Eurypelma cyaneopubescens STRAND, 1907 ist keine Aphonopelma. - Arachnol. Mag., 3(4): 8-9.

SCHMIDT, G. E. W. (1995b): Chromatopelma gen. n.; eine neue Gattung der Theraphosidae (Arachnida: Araneida: Theraphosidae: Theraphosinae). - Arthropoda, 3(2): 25-26.

SCHMIDT, G. E. W. & V. HERZIG (1997): Das Männchen von Chromatopelma cyaneopubescens (STRAND, 1907) (Araneae: Theraphosidae: Theraphosinae). - Arthropoda, 5(3): 11-14.

SCHULTZ, S.A./SCHULTZ, M.J. (1998): The Tarantula Keeper´s Guide.

STRAND, E. (1907): Aviculariidae und Atypidae des Kgl. Naturalienkabinetts in Stuttgart. - Jahresb. Ver. Naturk. Württbg., 63: 1-100.

VON WIRTH, V. (1996): Vogelspinnen

WEST, R.C. (2005): Species spotlight: Chromatopelma cyaneopubescens Desert ‘Blues’. - ARACHNOCULTURE, 1(1): 22-28.

 

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