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Jemenchamäleon

Chamaeleo calyptratus DUMÉRIL & BIBRON, 1851

 

engl.: Veiled Chameleon

 

Schutzstatus

Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens, EG-VO Nr. 338/97 Anhang B

Preiskategorie

Chamaeleo calyptratus ist relativ leicht zu züchten, was dazu geführt hat, dass man Jungtiere z.B. schon ab 30 Euro kaufen kann.

Schwierigkeitsgrad

Mittel. Trotz der relativ leichten Haltung im Terrarium darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass es sich hier um Chamäleons handelt. Auch das Jemenchamäleon stellt besondere Ansprüche an die Luft- und Lichtqualität und ist leichter stressbar als andere Echsen. Jungtiere sollten beim Kauf schon mindestens einen Monat alt sein, da noch jüngere Exemplare den Transport und den Umgebungswechsel nicht gut vertragen.

 

Beschreibung

Chamaeleo calyptratus_051Das Jemenchamäleon gilt als einer der beliebtesten Vertreter dieser Echsenfamilie, was sicherlich viele Gründe hat. Der wichtigste ist aber vermutlich die für Chamäleons recht einfache Haltung. Chamaeleo calyptratus gilt als leicht zu pflegende und zu vermehrende Art.
Das Jemenchamäleon kommt in unterschiedlichen Biotopen vor. Die Vegetation im Verbreitungsgebiet kann sehr üppig sein in Regionen mit hohem Niederschlag oder eher spärlich in den trockenen Hochebenen. Die Tiere haben kein bevorzugtes Habitat. So kommen sie z.B. sowohl auf Sträuchern, am Boden oder auf Sukkulenten vor. Zum Schlafen werden jedoch höher gelegene Plätze aufgesucht.

Weiblicher Chamaeleo calyptratusJemenchamäleons haben eine blattgrüne Grundfärbung. Männliche Exemplare haben meist zusätzlich schwarz gefärbte Flanken, die mit drei bis fünf gelben Querstreifen durchsetzt sind. Auch Weibchen haben diese gelben streifen in etwas schwächerer Ausprägung. Je ”aufgeregter” die Tiere sind, umso greller sind die Farben. Aber auch eine ganze Palette anderer Färbungen kommt vor.

Chamaeleo calyptratus gehört zu den größeren Arten. Männliche Exemplare können über 62 cm Körperlänge erreichen. Weibchen bleiben mit ca. 45 cm deutlich kleiner. Es gibt aber auch Exemplare, die trotz optimaler Haltung nie eine Gesamtlänge von 20 cm erreichen. Die Hälfte der Gesamtlänge entfällt auf den Schwanz.

Eine Kreuzung mit Chamaeleo arabicus ist möglich.

Weibliche Jemenchamäleons werden bis zu drei, männliche bis zu fünf Jahre alt (BRUINS).

Geschlechtsunterschiede

Schädel des Jemenchamäleons (Chamaeleo calyptratus)Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal ist der Fersensporn an den Hinterfüßen männlicher Tiere. Dieser Sporn ist schon bei den Jungtieren vorhanden. Weiterhin sind die Männchen größer als die Weibchen und viel massiver gebaut. Der Helm auf dem Kopf ist bei den Männchen deutlich ausgeprägter als bei Weibchen und kann eine Höhe von 8 cm erreichen. KOBER (2001) erwähnt ein weiteres Unterscheidungsmerkmal, welches auch bei Jungtieren vorhanden ist: Jungtiere haben zwei gelbliche Längsstreifen an den Flanken, die nicht durchgehend sind, sondern immer wieder Unterbrechungen aufweisen. Der vordere Fleck des unteren Streifens soll bei weiblichen Jungtieren fast so lang oder länger als der ihn beim Anlegen bedeckende Oberarm sein, während er bei Männchen halb so lang oder noch kürzer ist. Gruppe weiblicher Jemenchamäleons

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Jemenchamäleons erstreckt sich über die südlichen Teile der Arabischen Halbinsel (Asir-Provinz in Saudi-Arabien bis in die Region Aden im Jemen). Besonders häufig kommt die Art in der Region Taizz/Ibb im Süden des Jemen vor.

 

Unterarten

  • Chamaeleo calyptratus calyptratus DUMÉRIL & BIBRON, 1851
  • Chamaeleo calyptratus calcarifer PETERS, 1871

 

Terrarienhaltung

Terrarium

Wegen der Haut von Chamaeleo calyptratusGröße der Tiere müssen die Terrarien entsprechend dimensioniert sein. Die Mindestanforderung liegt bei 4 x 2,5 x 4 multipliziert mit der Kopf-Rumpf-Länge des jeweiligen Tieres. KOBER (l.c.) nennt eine Größe von mindestens einem drittel Kubikmeter für ein Weibchen und die doppelte Größe für ein Männchen. Ausserdem muss für eine ausreichende Lüftung gesorgt werden. SCHMIDT (1996) gibt als Faustregel an, dass die Lüftung ideal ist, wenn das Terrarium zwei Stunden nach dem vollständigen Überbrausen ganz abgetrocknet ist.
Grundsätzlich wird ein Tier pro Terrarium gehalten. Männchen werden aufgrund ihres aggressiven Verhaltens nie mit anderen Männchen vergesellschaftet. Wenn überhaupt kommt eine kurzfristige Vergesellschaftung mit 1-2 Weibchen in Frage. Das Terrarium muss dann jedoch so strukturiert werden, dass sich die Tiere jederzeit dem Blickkontakt mit den anderen Mitbewohnern entziehen können.
Auch eine freie Zimmerhaltung ist bei Chamaeleo calyptratus möglich (KOBER 2001, DOST 2000). DOST weist jedoch darauf hin, dass die Luftfeuchtigkeit im Zimmer sehr viel niedriger ist als im Terrarium, weshalb es zu ernsthaften Erkrankungen wie Nierengicht kommen kann. Diese Gefahr lässt sich dadurch reduzieren, dass man den Tieren jeden zweiten Tag gezielt genügend Flüssigkeit mit einer Pipette reicht. Nach SCHMIDT (l.c.) ist diese Art durch ihre Robustheit und Unempfindlichkeit gegen Temperaturschwankungen besonders gut für die Haltung in Wintergärten und Gewächshäusern geeignet.

Männliches Jemenchamäleon bei der HäutungBeleuchtung

Empfehlenswert sind sehr helle Lichtquellen wie z.B. HQI-Strahler. Jegliche Lichtquellen müssen jedoch so angebracht werden, dass sich die Tiere nicht daran verbrennen können. Beleuchtet wird 14 Std. im Sommer und 11 Std. im Winter. Es empfiehlt sich mehrere Spots einzubauen, wenn man mehrere Tiere in einem Terrarium hält, damit es nicht zu Reibereien kommt.

Temperatur

SCHMIDT (l.c.) empfiehlt im Sommer 26-28 °C tagsüber und 16-20 °C nachts. Im Winter wird die Temperatur auf 18-20 °C tagsüber und 12-14 °C nachts herabgesetzt. Mit einem lokalen Spot sollten höhere Temperaturen von 35-38 °C erreicht werden, damit sich die Tiere gezielt aufwärmen können.

Luftfeuchtigkeit

Je nach Region im Verbreitungsgebiet herrscht ein subtropisches bis tropisches Klima. Im Gebiet um Taizz/Ibb sind Niederschläge bis 2000 mm im Jahr keine Seltenheit. Die höchste Niederschlagsmenge herrscht im Sommer zur Regenzeit. Im Winter ist es eher trocken, obwohl auch im trockensten Monat durchschnittlich 50 mm Regen fällt. Dementsprechend sollte die Luftfeuchtigkeit zwischen 60-80 % variieren.

Einrichtung

Als Bodengrund eignet sich Sand, Lehm, Papier oder Rindenmulch. SCHMIDT (l.c.) empfiehlt Pflanzen in den Töpfen zu belassen, damit man beim Gießen nicht immer dan ganzen Boden durchfeuchtet. Am besten eignen sich baumartig wachsende Pflanzen wie Ficus-Arten oder Zitrusgewächse (KOBER l.c.).
Weiterhin werden fingerdicke Äste als Klettermöglichkeit integriert.

Fütterung

Die Grundnahrung von Chamaeleo calyptratus besteht aus Insekten wie z.B. Grillen und Heuschrecken. Auge von Chamaeleo calyptratusGenerell wird alles angenommen, was überwältigt werden kann. Darunter fallen auch Wirbeltiere wie z.B. Mäuse. Die recht kleinen Jungtiere füttert man anfangs am besten mit Drosophila oder Mikroheimchen. Vom Jemenchamäleon ist bekannt, dass die Tiere auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. So ist beschrieben, dass sie z.B. Tomaten, Äpfel, Erdbeeren, Mandarinen und Blätter fressen. KOBER (l.c.) erwähnt Blätter von Kalanchoe-Arten, die wohl gerne angenommen werden.
Auch bei dieser Art sollten Jungtiere und trächtige Weibchen am besten täglich gefüttert werden, während man erwachsene Exemplare 2-3 Mal in der Woche füttert.
Wasser wird hauptsächlich von den Blättern geleckt, weshalb man die Terrarien täglich 1-2 mal überbrausen sollte. Auch ein gezieltes Tränken mit der Pipette ist möglich. Trotz allem sollte man zusätzlich eine Trinkschale mit frischem Wasser im Geäst positionieren. KOBER (l.c.) tränkt Jungtiere ausschließlich durch häufiges Besprühen, da sie schon in 2 mm flachem Wasser ertrinken können. SCHMIDT (l.c.) empfiehlt auch Schalen mit Kalzium in Form von Sepiastücken oder Muschelgrit zu integrieren. KOBER (l.c.) bestäubt die Futtertiere mit eier 1:1 Mischung aus Vitakalk und Kalziumlaktat.

Zucht

Haut eines männlichen JemenchamäleonsZur Zucht setzt man am besten das Weibchen zum Männchen. Ist das Männchen paarungsbereit, fängt es sofort mit dem Imponiergehabe an. Dazu flacht es den Körper ab und präsentiert die volle Breitseite um möglichst groß zu wirken. Auch die Farben scheinen intensiver. Wenn das Weibchen paarungswillig ist, ändert es nicht viel am Verhalten. es bewegt sich normal weiter und lässt sich vom Männchen einholen und hebt den Schwanz an, damit es befruchtet werden kann. Ein nicht paarungsbereites Weibchen ändert die Farbe und wird braun bis schwarz. Ausserdem läuft es davon und wehrt sich, falls es vom Männchen eingeholt wird. Nach KOBER (2001) lassen sich paarungswillige Weibchen auch an türkisfarbenen Einfärbungen im oberen Rückenbereich erkennen, die sonst nicht vorhanden sind. Die Paarung dauert 3-30 Minuten und findet mehrmals täglich über bis zu vier Tagen statt (SCHMIDT 1996). Die Trächtigkeit dauert 20-30 Tage (SCHMIDT 1996) bis 30-50 Tage (KOBER 2001). Ca. eine Woche vor der Eiablage stellen die Weibchen die Nahrungsaufnahme ein. Spätestens jetzt bietet man den Tieren einen Eiablagebehälter, welcher ca. 20 cm hoch mit feuchter Erde gefüllt ist. DOST (2000) empfiehlt diesen Eiablageplatz mittels einer Heizmatte zu erwärmen, da die Weibchen bei zu kühlem Boden die Eier zurückhalten und es zur Legenot kommt. Im Abstand von 90 bis 120 Tagen können weibliche Jemenchamäleons so 3 bis 4 Gelege im Jahr absetzen. Die Gelegegrößen variieren zwischen 12-85 Eiern (SCHMIDT l.c.) und 25-100 Eiern (KOBER l.c.), der Durchschnitt liegt bei 30 bis 40 (SCHMIDT l.c.)
Zur Inkubation findet man folgende Angaben in der Literatur:Schwanz des Jemenchamäleons SCHMIDT (l.c.) empfiehlt konstante Temperaturen zwischen 25 bis 30 °C. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Jungen dann nach 120 bis 280 Tagen. KOBER (l.c.) erwähnt, dass die Jungen bei einer Inkubationstemperatur von 28 °C nach sechs Monaten schlüpfen. Bei einer Temperatur ab 30 °C sollen fast ausschliesslich Männchen schlüpfen. DOST (l.c.) empfiehlt eine Zeitigung bei schwankenden Temperaturen zwischen 22 und 28 °C. So ausgebrütet schlüpfen die Jungtiere nach ca. 200 Tagen. BRUINS gibt eine konstante Inkubationstemperatur von 26 °C an. Die Eier werden in Vermiculit bebrütet, welches im Verhältnis 1:1 mit Wasser gemischt wird. Unter diesen Bedingungen schlüpfen die Tiere nach 160 bis 170 Tagen. BRUINS empfiehlt das Substrat nach 12 Wochen etwas feuchter zu halten, um eine Regenzeit zu simulieren.
Die Jungtieren sind beim Schlupf 55 bis 75 mm groß und können nach einem Jahr bereits 35 bis 40 cm groß werden. KOBER (l.c.) erzählt von einem Männchen, das nach fünf Monaten schon 30 cm lang war. Anfangs kann man den Nachwuchs in einem gut strukturiereten Terrarium zusammen halten. Später müssen auch sie getrennt aufgezogen werden. KOBER (l.c.) gibt an, dass Männchen erst in einem Alter von ca. vier Monaten ein aggressives Verhalten zeigen und so lange noch nicht einzeln gehalten werden müssen. Die Geschlechtsreife wird mit etwa vier bis sechs Monaten erreicht (DOST l.c.).

Buchempfehlungen

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Literatur

BRUINS, E. : Terrarien Enzyklopädie. - Karl Müller Verlag, 320 S.

DOST, U. (2000): Das Jemenchamäleon - Chamaeleo calyptratus. - Natur und Tier-Verlag, Münster, DRACO Nr. 1 1(1): 52-56.

HENKEL, F. W. & S. HEINECKE (1993): Chamäleons im Terrarium. - Landbuch-Verlag, Hannover.

KOBER, I. (2001): Haltung und Vermehrung des Jemenchamäleons. - DATZ 54(12): 14-19.

KLAVER, C. & W. BÖHME (1986): Phylogeny and classification of the Chamaeleonidae (Sauria), with special reference to the hemipenis morphology. - Bonn zool. Monogr., 22: 1-64.

LUTZMANN, N. (1998): Anmerkungen zu einer Nachzuchtstatistik. - elaphe, Rheinbach, 6(4): 76-79.

MACHTS, T. (2005): Luise, das Jemenchamäleon. - Natur und Tier-Verlag, Münster, REPTILIA 56; 10(6): 7.

NECAS, P. (1991): Chamaeleo calyptratus calyptratus. - herpetofauna, Weinstadt, 13(73): 6-10.

NECAS, P. (1991): Einige Bemerkungen zur Biologie von Chamaeleo calyptratus. - Zusammenfassung der DGHT-Tagung, Bonn.

NECAS, P. (1991): Einige Anmerkungen zur Biologie von Chamaeleo calyptratus. - Miitteilungsblatt der AG Chamäleons in der DGHT 3: 3.

NECAS, P (1999): Chamäleons - Bunte Juwelen der Natur. - Ed. Chimaira, Frankfurt, 352 S.

SCHMIDT, W. (1992): Über die erstmalige gelungene Nachzucht von Furcifer campani GRANDIDIER, 1872, sowie eine Zusammenstellung einiger Eizeitigungsdaten von verschiedenen Chamäleonarten in Tabellenform. - Sauria, Berlin, 13(3): 21-23.

SCHMIDT, W. (1994): Gedanken zur Problematik bei der Aufzucht von Nachzuchten verschiedener Chamäleonarten. - Sauria, Berlin 16(2): 35-38.

SCHMIDT, W. (1996): Das Jemenchamäleon. - Natur und Tier-Verlag, Münster, REPTILIA 2; 1(2): 61-64.

SCHMIDT, W. (1996a): Jemenchamäleons. - Natur und Tier-Verlag, Münster.

SCHMIDT, W., K, TAMM & E. WALLIKEWITZ (1996): Chamäleons - Drachen unserer Zeit. 2. Auflage. - Natur und Tier-Verlag, Münster, 160 S.

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