Argentinische Waldschabe

Blaptica dubia

 

Schwierigkeitsgrad

Gering.

Vorteile

Leicht zu züchten, so gut wie kein Pestpotential, unfähig glatte Wände zu erklettern, Haltung über längeren Zeitraum mit Trockenfutter und Wasser möglich, sehr nahrhaft, einfaches Gutloading.

Nachteile

Aufgrund hoher Produktivität regelmäßiges Reinigen des Behälters notwendig, Milbenbefall bei zu feuchter Haltung.

 

Beschreibung

Unter den beliebtesten Futtertieren ist die nachtaktive Argentinische Waldschabe Männliche Blaptica dubiaaus der Familie der Blaberidae sicherlich ganz vorne mit dabei. Sie ist extrem leicht zu züchten und kann lange Zeit auch nur mit Trockenfutter ernährt werden. Ein bei der Zucht von Schaben sehr großer Vorteil ist, dass entlaufene Exemplare dieser Art keine Plage werden können. Außerdem kann Blaptica dubia nicht an glatten Wänden emporklettern. Nachteilig ist allerdings die recht lange Entwicklungszeit bis zur adulten Schabe. Bei unter 25 °C beträgt diese etwa 6 Monate. Dafür erreichen die Tiere ein Alter von über einem Jahr und können in dieser Zeit auch recht produktiv sein.
Männliche Blaptica dubia könnenWeibliche Blaptica dubia eine Länge von 4-5 cm bei einer Breite von ca. 2 cm erreichen. Sie sind meist bis zu 5 mm dick. Weibchen erreichen ähnliche Dimensionen, jedoch sind sie dicker und schwerer. Der glänzend schwarze Körper wird bei Männchen von langen, braunen Flügeln verdeckt, die zur Seite hin transparent sind. Am Ansatz sind die Flügel rötlichbraun gefärbt. Der Kopfschild ist schwarz und ebenfalls transparent umrandet. Die Weibchen besitzen auch ein schwarzes und transparent umrandetes Kopfschild. Die rudimentären Flügel sind glänzend schwarz und seitlich transparent. Die einzelnen Segmente des Abdomens besitzen an jeder Seite einen hellen Fleck. Auch dorsal findet man ein helles Streifenmuster.
Diese Tiere gehören zu den eher langsameren Schaben. Bei einer zu hohen Besatzdichte kommt es gelegentlich zu Kannibalismus.

Geschlechtsunterschiede

Sowohl die Adulti als auch subadulte Tiere zeigen einen Geschlechtsdimorphismus. Subadulte männliche Blaptica dubiaAusgewachsene Männchen haben gut entwickelte Flügel, mit deren Hilfe sie auch gut und weit fliegen können. Meistens werden sie jedoch nicht zum Fliegen, sondern als Signal bei der Paarung Subadulte weibliche Blaptica dubiaund bei Revierkämpfen genutzt. Dabei werden die Flügel so aufgestellt, dass sie mit dem Körper einen rechten Winkel bilden. Weibchen haben nur unterentwickelte Flügel. Bei subadulten Tieren erkennt man die deutlich besser entwickelten Flügelanlagen der Männchen (siehe Bild). Laut FRIEDRICH & VOLLAND (1998) haben die männlichen Jungtiere noch längere Fühler, die etwa die Hälfte der Körperlänge betragen.

Verbreitung

Argentinien

Haltung im Terrarium

Terrarium

Als Behälter eignen sich sehr gut die Flaj-Plastikbehälter von Ikea. Mit Deckel zusammen kosten sie kaum 2 Euro und sind sehr gut zu verarbeiten. In den Deckel schneidet man ein Loch in Größe einer CD-Hülle. Auf dieses Loch klebt man dann Fliegengaze. Genauso verfährt man an einem der Seitenwände, dort schneidet man allerdings ein kleineres Loch. In vielen Websites wird erwähnt, dass man die Gaze in das Plastik einschmilzt. Ich klebe sie einfach mit einer Heißklebepistole an. So behandelte Behälter funktionieren auch nach über 4 Jahren einwandfrei. In die Gaze des Deckels bohre ich zwei so große Löcher, dass die Elektrokabel für die Halogenbeleuchtung durchpassen. Den Kabelbaum für die Beleuchtung erhält man sehr günstig bei Conrad Elektronik (ich glaube, ich habe so etwa 1,95 Euro für einen 5er Kabelbaum bezahlt, ein 3er Baum kostet um die 1,50 Euro). Als Beleuchtung dient eine 10 W Halogenbirne.
Der Behälter sollte je nach Besatz alle 3-6 Monate gereinigt werden.

Temperatur

Erfahrungsgemäß werden auch dauerhaft niedrige Temperaturen von 17-18 °C vertragen. Eine Fortpflanzung findet dann jedoch nicht statt und die Entwicklung der Jungtiere ist stark gebremst. Ideal sind Temperaturen von 25-30 °C. Eine Nachtabsenkung ist nicht unbedingt erforderlich. Ich verwende als Heizquelle eine 10 W Halogenbirne. Auch Heizmatten sind geeignet, wobei man meiner Meinung nach so nicht so hohe Lufttemperaturen erreicht wie mit einer Lampe.

Einrichtung

Als Einrichtung braucht man nicht viel und viele Züchter haben ihr eigenes Rezept. Ich verwende als Versteck Eierkartons, die man entweder beim Supermarkt seines Vertrauens geschenkt bekommt oder ganz sauber z.B. bei Siepmann bestellen kann. Eine Kiste mit ca. 200 Kartons kostet etwa 15 Euro, das reicht auch bei einer großen Zucht für mehr als ein Jahr. Man kann zusätzlich noch die Papprollen vom Toilettenpapier und von Hauhaltstüchern verwenden. Eine Wassertränke vervollständigt die Einrichtung. Ich verwende handelsübliche Vogeltränken, deren Öffnung ich mit unparfümiertem Toilettenpapier zumache, damit die Jungschaben nicht ertrinken. Außerdem hemmt das die Verdunstung. Mit etwas geschick kann man sich seine eigene Tränke bauen. Dazu verwendet man Plastikdosen mit Deckel. In den Deckel wird ein kleines Loch gebohrt, so dass man ein Stück Polypropylenseil durchstecken kann. Der Becher wird mit Wasser gefüllt und der Deckel draufgesetzt. Das Seil, das in das Wasser ragt, saugt sich voll und am aus dem Deckel herausragenden Ende können die Schaben problemlos trinken.

Futter

Erfreulicherweise hat man bei der Ernährung von Schaben selten Probleme. Normalerweise bietet man den Tieren sowohl Trocken- als auch Feuchtfutter an. Auch hier haben alle Züchter ein eigenes Rezept. Die meisten füllen den Zuchtbehälter mehrere Zentimeter hoch mit Blaptica dubia beim FressenHundeflockenfutter auf (z.B. von Matzinger), so dass den Schaben jederzeit genügend Futter zur Verfügung steht. Ich fülle den Behälter nicht von vornherein auf, sondern gebe alle paar Tage neues Futter hinzu, wenn es verbraucht ist. Das ist meiner Meinung nach wesentlich hygienischer. Das Futter mische ich mir selbst aus Kleie, Sojamehl, Haferflocken, Bierhefe und Hunde- oder Katzentrockenfutter (das ganz billige aus dem Supermarkt) zusammen. Die Argentinische Waldschabe kann man auch fast ausschließlich mit Trockenfutter und Wasser ernähren. Als Feuchtfutter eignet sich so einiges. Gern gefressen werden z.B. Karotten (am besten geraspelt), Äpfel, Birnen, Bananen, Kirschen, Orangen und alle möglichen weiteren Obstsorten. Ich verfüttere zusätzlich Fruchtjoghurt nach der Angünschen Rezeptur. Dazu nehme ich handelsüblichen Fruchtjoghurt (den ganz billigen für 1 Euro/kg). Am meisten mögen die Schaben Kirschgeschmack. Pro Teelöffel Joghurt rühre ich einen Tropfen Multivitaminsirup (den von Lidl) unter. Sollen die Schaben am selben Tag verfüttert werden, rühre ich noch etwas Kalzium unter (z.B. in Form von Sepiaschalenpulver, Kalziumkarbonat, Kalziumlaktat oder in der Fortpflanzungszeit einen Tropfen Hennengold pro Teelöffel Joghurt). Diese Mischung wird nicht nur von Blaptica dubia, sondern auch von anderen Schaben und sogar von Rosenkäfern angenommen. Besonders gern mögen es die Tiere, wenn man etwas von der Mischung auf ein Stück Obst schmiert. Wird das Futter in einer Schale angeboten besteht die Gefahr, dass Jungtiere in den Joghurt fallen und nicht mehr rauskommen. Ist der Schabenbesatz im Behälter groß, wird das Futter allerdings so schnell aufgefressen, dass es kaum zu Verlusten kommt. Die Vorteile von Joghurt liegen auf der Hand: Er ist billig und enthält im Vergleich zu anderem Futter viel Kalzium, Proteine und Fett. Manche mögen jetzt meinen, dass Fett doch schlecht ist. Meiner Meinung nach nicht. Bei meinen Reptilien konnte ich keine Nachteile beobachten und die Insekten entwickeln sich sehr gut. Studien belegen den Zusammenhang von guter körperlicher Entwicklung und Aufnahme von bestimmten Fettsäuren. Sehr gern wird auch das selbstgemachte Beetle Jelly gefressen.

Zucht

Eine Zuchtgruppe sollte aus mindestens 50 adulten Tieren bestehen. Als Faustregel gilt, dass man für jedes Männchen ca. 3-5 Weibchen zusetzt. Außerdem braucht man etwa 100 Jungtiere verschiedener Größe, damit die Zucht kontinuierlich läuft. Alle 1,5-2 Monate produzieren die Weibchen Eipakete, die zunächst wieder bis zur völligen Ausreifung in den Körper eingezogen werden. Ist der Zeitpunkt der Geburt gekommen, wird die Eikapsel an einer geschützten Stelle (meist sind dies die Vertiefungen von Eierkartons) abgelegt. Interessant ist das Verhalten des Muttertieres. Es legt sich schützend auf die Oothek und wartet bis der Panzer der Jungtiere ausgehärtet ist. Aus einer Oothek schlüpfen bis zu 30 Schaben. Die frisch geschlüpften Jungtiere sind ca. 5 mm groß. Anfangs sind sie noch weiß, wenn der Chitinpanzer ausgehärtet ist, wechselt die Farbe in ein graubraun. Je nach Temperatur sind die Tiere unterschiedlich schnell adult. FRIEDRICH & VOLLAND (l.c.) mache dazu folgende Angaben: 6 Monate bei 23-25 °C und 6,5-9,5 Wochen bei 28-32 °C. Meiner Meinung nach sind die Angaben auch bei hohen Temperaturen noch recht optimistisch. Ich meine, dass sie in jedem Fall ihre 3-4 Monate brauchen.

Verfütterung

Verfüttert werden am besten die älteren Tiere. Betagte Schaben sind meist dunkler gefärbt. Besonders die Brauntöne werden intensiver. In den meisten Fällen bewegen sie sich auch nur noch sehr träge und es fehlen ihnen Extremitäten und Fühler. Falls man keine älteren Schaben hat, verfüttert man die Männchen. Erst wenn diese knapp werden, nimmt man jüngere Schaben. Die adulten Weibchen sind wichtig für die Zucht und sollten nur ausnahmsweise verfüttert werden. Weibchen mit sehr dickem Abdomen sind meist schwanger und sollten nicht verfüttert werden.
Schaben sollten immer direkt von der Pinzette verfüttert werden, denn nicht gefressene Tiere verkriechen sich im Bodensubstrat und da sie nachtaktiv sind, werden sie von den Terrarientieren meist nicht gefunden.

Probleme bei der Haltung

Das größte Problem, das die meisten Züchter haben, ist der häufig auftretende Milbenbefall. Milben vermehren hauptsächlich bei für sie günstigen Bedingungen, d.h. also bei hoher Luftfeuchtigkeit und unhygienischen Bedingungen. Es ist in jedem Fall zu vermeiden, dass Feuchtfutter im Behälter schimmelt oder sogar die Eierkartons durchnässt. Ein weiteres großes Problem, dass mittlerweile häufig auftritt, ist ein Befall mit Buckelfliegen (Phoridae). Es handelt sich dabei um Fliegen etwa von der Größe von Fruchtfliegen. Sie sind gräulich-braun gefärbt und bewegen sich ruckartig und schnell. Auch sie treten bei ähnlichen Bedingungen auf wie die Milben, nur dass sie sich nicht für Obst interessieren, sondern für Insektenfleisch. Auf toten Insekten werden in jedem Fall winzig kleine, weiße, längliche Eier abgelegt, aus denen innerhalb von wenigen Tagen die Maden schlüpfen. Sind die ersten Fliegen erst einmal aufgetaucht, vermehren sie sich rasant. Viele Betroffene und ich auch befürchten allerdings, dass auch lebende Insekten befallen werden. So konnte ich z.B. auch lebende Schaben und sogar Vogelspinnen beobachten, auf denen Eier abgelegt worden waren. Selbst vor Rosenkäferlarven (im Kokon!) machen sie nicht halt. Man wundert sich, warum der Käfer nicht schlüpft, öffnet den Kokon und es fliegen einem Heerscharen von Buckelfliegen entgegen. Seit ich Halogenbirnen innerhalb der Terrarien verwende, gibt es keine Probleme mit diesen beiden Schädlingen. Die Birne wird sehr heiß und trocknet die Luft und Einrichtungsgegenstände schnell aus. Feuchtfutter sollte nie auf den Eierkartons, sondern immer in einer Schale (z.B. Marmeladenglasdeckel) angeboten werden.

Literatur

BRUINS, E. : Terrarien Enzyklopädie. - Karl Müller Verlag, 320 S.

FRIEDRICH, U. & W. VOLLAND (1998): Futtertierzucht. - Verlag Eugen Ulmer, 187 S.

 

 

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