Rückwandbau nach Biotropics-Art

Einige werden sich noch erinnern, dass wir vor einiger Zeit auf unserer Website eine Anleitung zum Bau von Rückwänden hatten. Den Mails nach zu urteilen, die wir seinerzeit aber auch nach dem verschwinden der Seite erhielten, war diese Anleitung sehr beliebt. Ich habe zwischenzeitlich erneut den Bau einer Rückwand dokumentiert und will diesen hier jetzt veröffentlichen.

Nötige Utensilien:

  • Styroporplatten (für Kleinterrarien verwende ich Stärken von 2-3 cm, für UtensilienGroßterrarien kann man selbstverständlich auch dickere Platten nehmen)
  • Stift
  • Pinsel (um auch an die kleinste Ecke ranzukommen, kann es notwendig sein, den Pinsel am Griff zu kürzen)
  • Teppichmesser (ein Skalpell eignet sich auch hervorragend zum Glätten der Styroporränder)
  • Fliesenkleber (für einen 25 kg Sack kabe ich damals bei OBI glaube ich 4,99 Euro bezahlt)
  • Styroporkleber oder Abdichtmasse (ich verwende bevorzugt Abdichtmasse)
  • Abtönfarben (ich verwende normale Wandfarben, die am besten auch für den Aussenanstrich nutzbar sind, da es in Terrarien ab und zu mal nass wird)

Schritt 1

Zuerst misst man die Innenmaße des Terrariums aus. In diesem Beispiel komme ich auf etwa 19,2x19,2 cm für die Rückscheibe. Jetzt muss man ein Stück Styropor zurechtschneiden, das in etwa diese Maße hat. Ich würde empfehlen, die Platte etwas kleiner zu schneiden, denn sonst passt sie so eng rein, dass man sie nicht wieder herausbekommt, ohne sie zu zerstören. In diesem Fall habe ich das Stück auf die Maße von 18x19 cm zurechtgeschnitten.

Schritt 2Einzeichnen der Strukturen

Jetzt zeichnet man mit dem Stift auf die Styroporplatte ein, wie die Rückwand in etwa aussehen soll. Bilder von natürlichen Felsen sind sehr hilfreich. Bei größeren Rückwanden ist es empfehlenswert, die einzelnen Steinsegmente zu nummerieren, damit man erstens weiss, wo vorne und wo hinten ist und zweitens, damit man später nicht durcheinander kommt, da die Segmente ja ausgeschnitten werden müssen.

Schritt 3

Mit einem scharfen Teppichmesser schneidet man die Felsfragmente entlang der gezeichneten Linien aus, bis man ein Styroporpuzzle hat. Das sieht erst einmal noch nach gar nichts aus, aber mit den nächsten Schritten bringen wir Dreidimensionalität in die Sache.

Schritt 4

Bei jedem einzelnen Fragment werden Ausarbeiten der Felsenjetzt die Kanten beschnitten. Ein Skalpell leistet hier gute Dienste. Je dicker die Styroporplatte ist, umso mehr Tiefe kann man logischerweise erreichen. In diesem Beispiel besteht die Rückwand aus einer 3 cm dicken Platte. Also ruhig ordentlich was wegnehmen. Außerdem kann man auch schon das Oberflächenrelief ausarbeiten.

Schritt 5

Um noch etwas mehr Dimension zu erreichen, habe ich nach dem selben Prinzip zusätzlich noch Seitenwände gebaut. Ich verkleide in den seltensten Fällen die gesamte Seitenscheibe. Erstens nimmt das in Kleinterrarien zuviel Platz weg, und zweitens kommt dann zu wenig Licht ins Terrarium. Außerdem sieht das irgendwie edler aus, wenn die Seitenwände etwa bis zu Hälfte reichen.

Schritt 6

Da ich noch ein Felsvorsprungwenig mehr Dimension herauskitzeln möchte, will ich einzelne Fragmente gezielt aus der Wand vorspringen lassen. Dazu klebt man zuerst alle Fragmente, die ihre Endform und endgültige Lage haben mit einem kleinen Klecks Abdichtmasse oder Silikon an die Scheibe. Dort, wo der Felsvorsprung sein soll, klebt man ein kleines keilförmiges Stück Styropor ein. Je höher dieser Keil, umso mehr ragt der Fels später hervor. Fertiger Rohbau

So, nun sollten alle Puzzlestückchen aufgeklebt sein, und die Rückwand so aussehen wie im rechten Bild. Das Gröbste ist dann eigentlich auch geschafft. Als nächstes geht man überall an den Grenzen zum Glas mit Abdichtmasse (oder Silikonkleber) entlang, damit keine Spalten da sind, durch die später vielleicht Wasser hinter die Rückwand eindringen kann.

Schritt 7

Auftragen des FliesenklebersJetzt trägt man die erste Schicht Fliesenkleber auf. Die kann ruhig dünn aufgetragen werden. Nachdem sie getrocknet ist, trägt man die zweite Schicht auf. Ich stecke den Kopf meiner Tischhalogenleuchte in das Terrarium und schalte die Lampe ein, damit die entstehende Wärme den Kleber schneller austrocknet. Die letzte Schickt Kleber trägt man am besten tupfend auf, damit kleine Vertiefungen entstehen, die wir später bei der Farbgebung benötigen. Auf jeden Fall nie zu dicke Schichten auftragen, da man sich sonst die mühsam geschnitzten Formationen zukleistert. Es reicht, wenn man am Ende einfach nur kein Styropor durchschimmern sieht. Jetzt warten wir, bis der Fliesenkleber richtig trocken ist. am besten über Nacht trocknen lassen.

Schritt 8

Ist der Kleber getrocknet, fangen wir mit der Farbgebung an. GrundierungDazu tragen wir zuerst die Grundierung auf. In diesem Fall will ich wieder einmal Sandstein imitieren. Ich mische dafür weiß, gelb und chromgelb (das ist so ein ockerartiger Ton - siehe erstes Bild) im Verhältnis 25:1:4. Die Menge reicht für eine Rückwand dieser Größe völlig aus. Die Farbe wird dünn aufgetragen, damit man die Sandkörner im Fliesenkleber nicht verdeckt. Die brauchen wir später noch. Jetzt lässt man die Grundierung ordentlich trocknen. Das ist sehr wichtig, weil wir im nächsten Schritt mit einer wässrigen Lösung arbeiten, die uns sonst die ganze Grundierung rauswäscht. Die restliche Farbe heben wir für den letzten Schritt auf.

Schritt 9

Jetzt kommt der meiner Meinung nach wichtigste Schritt bei der ShadingRückwandgestaltung. Je besser man das Shading beherrscht, umso echter sehen die Rückwände später aus. In diesem Fall mische ich braune Farbe im Verhältnis 1:40 mit Wasser. Das Terrarium wird jeweils auf die Wand gelegt, die gerade bearbeitet wird (wenn man die Rückwand bearbeiten will, wird das Terrarium also, auf den Rücken gelegt). Man tunkt den Pinsel in die Lösung und wischt damit über die Rückwand. Die Flüssigkeit wird teilweise von der Grundierung aufgesogen, aber hauptsächlich sammelt sie sich in den Vertiefungen, die dann später dunkler aussehen, weil sich dort eben mehr Pigmente ablagern. Deshalb ist es wichtig, durch das tupfende Auftragen des Fliesenklebers Vertiefungen zu schaffen. Diesen Schritt muss man mehrmals wiederholen (so etwa 3 Mal). Das hängt ganz vom eigenen Geschmack ab. Je öfter man das macht, umso dunkler wird die Wand. Wichtig ist auch, dass man die Farbe bei jedem Mal richtig austrocknen lässt. Nur so erkennt man, ob man den richtigen Ton getroffen hat.

Schritt 10

Um der Rückwand den letzten Schliff zu geben, trägt Highlightsman noch die Highlights auf. Dazu tauchen wir einen Pinsel in die Grundierung ein (deshalb die Reste aufbewahren). Der Pinsel wird danach mit z.B. Küchenpapier ordentlich gesäubert. Auch wenn er sauber aussieht, enthält er Farbe. Mit dem Pinsel streicht man jetzt kreuz und quer über die Rückwand. An allen erhabenen Stellen setzt sich Farbe ab. Ein toller Effekt.

Eigentlich ist alles jetzt fertig. Man muss nur noch das Terrarium vom überschüssigen Fliesenkleber und von der Farbe befreien und ordentlich putzen. Der fertige Terrarium kann in der Wüstengalerie bestaunt werden. Wer will, kann die Rückwand auch mit Epoxydharz imprägnieren, obwohl ich davon abrate, da sie dann glänzt, als wäre sie nass. Das sieht ziemlich künstlich aus. Wer unbedingt was auftragen will, dem empfehle ich eher Capaplex, aber eigentlich hält so eine Rückwand auch ohne jeglich Behandlung einige Jahre.

 

Google
Web Biotropics.com