Anleitung zur Herstellung von Beetle Jelly

 

Beetle JellyWer sich schon einmal mit der Haltung von exotischen Käfern auseinandergesetzt hat oder sogar welche hält, wird vom Spezialfutter für die Käfer, dem sogenannten Beetle Jelly, gehört haben. Es handelt sich dabei um in kleine Plastikbehälter in Mengen ab 15 g abgepackte Gelees, die häufig in den Geschmacksrichtungen Banane, brauner Rohrzucker oder Kokos angeboten werden. Dieses Spezialfutter soll neben etlichen Vitaminen auch Proteine enthalten, so dass eine viel höhere Produktivität bei den Weibchen erzielt werden kann, so verspricht es zumindest die Werbung. Das Futter ist nicht unbedingt teuer, und je nachdem, in welchen Verpackungsgrößen man einkauft, muss man mit etwa 70 Cent für 25 g rechnen. Wenn man aber besonders viele Käfer hält, kann das Ganze schnell zu einem teuren Vergnügen werden. Ich persönlich habe bisher noch nie Beetle Jelly gekauft, so dass ich nicht sagen kann, wie sehr die in der Werbung angepriesene Produktivität der Wahrheit entspricht, dafür wollte ich aber gerne versuchen, mein eigenes Beetle Jelly herzustellen und habe mich diesbezüglich im Internet schlau gemacht und einige Zeit experimentiert. Das Endergebnis meiner Versuche möchte ich gerne hier vorstellen. Die hier gezeigte Rezeptur hat am Ende einen Preis von ca. 70 Cent für mehr als 200g !

Zunächst habe ich mir überlegt, was die Käfer gerne an natürlichem Futter fressen. Meist handelt es sich um sehr süße Früchte wie z.B. Bananen, Melone, Mango etc. Die zweite Überlegung war, wie ich diese Früchte künstlich herstellen und mit Mineralstoffen und Proteinen anreichern kann. Als Drittes habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich am besten die richtige Konsistenz des Futters erreichen kann. Im Folgenden nun die Anleitung zur Selbstherstellung von hausgemachtem Beetle Jelly:

Folgende Zutaten werden benötigt:

  • 200 ml Fruchtsaft (ich nehme z.B. Multivitaminsaft aus 100% Fruchtsaft, bewährt haben sich milde Säfte ohne viel Fruchtsäure, man kann auch den ganz billigen Multivitaminsaft mit 25% Fruchtgehalt aus dem Supermarkt nehmen)
  • Obst (am besten eignet sich für o.g. Flüssigkeitsmenge eine halbe Banane, aber auch andere süße und säurearme Früchte wie Melone, Maracuja und Mango eignen sich gut)
  • 3 Teelöffel Honig (man kann auch die gleiche Menge Trauben- oder Haushaltszucker nehmen, wichtig ist nur, dass der Saft am Ende süßer als sauer ist)
  • 3 gut gehäufte Teelöffel Proteinpulver (ich verwende Bananengeschmack, aber auch andere Geschmacksrichtungen sind o.k.)
  • 2 Teelöffel Agar Agar
  • 1 Teelöffel Multivitamin-Sirup (z.B. das allseits bekannte Sanostol)

Zuerst werden Saft, Obst, Honig und Agar Agar gründlich in einem Mixer gemischt. Die Mischung wird anschließend in einem Topf unter ständigem Rühren mit einem Schneebesen bis zum Kochen erhitzt. Erst ab Temperaturen von 80 °C kann das Agar Agar eine Netzstruktur aufbauen, die dem Ganzen nach dem Abkühlen die richtige Konsistenz verleiht. Ab und zu nimmt man den Topf vom Herd runter, damit nichts anbrennt. Man merkt beim Rühren schon, dass die Flüssigkeit zähflüssig wird. Das ist der Moment, in dem das Jelly vom Herd genommen werden kann. Jetzt lässt man die Flüssigkeit unter ständigem Rühren abkühlen. Damit es schneller geht, fülle ich das Waschbecken mit kaltem Wasser auf und legen den Topf hinein. Bei einer Temperatur von ca. 60 °C (wenn man den Finger in die Soße stecken kann, ohne sich zu verbrennen) mischt man das Proteinpulver und die Vitamine unter. Ich mache das immer so, da Proteine bei Temperaturen über 60 °C denaturieren. Und auch wenn man Multivitaminsaft verwendet, beim Kochen werden die Vitamine zerstört, so dass sie am Ende wieder zugesetzt werden müssen. Das ist auch der Grund, warum man nicht unbedingt einen teuren Multivitaminsaft mit 100% Fruchtgehalt nehmen muss. Einen besonderen Vorteil hat das vermutlich nicht, außer dass man sich psychisch besser fühlt. Solange das Jelly noch flüssig ist, fülle ich es in Eiswürfelschalen ab. Für die hergestellte Menge reicht eine Schale. Das Ganze wird dann zum Abkühlen in den Kühlschrank getan. Ich stelle immer soviel her, wie ich in 1-2 Wochen verbrauche. Wenn man relativ sauber arbeitet und die Kühlkette nicht ständig unterbricht, ist das Jelly auch ohne Konservierungsstoffe bis zu 3 Wochen haltbar. Dann fangen die Würfel erfahrungsgemäß an zu schimmeln. Wenn man es portionsweise einfriert, sollte man sogar eine Haltbarkeit von mindestens 2-3 Monate erreichen können. Bei den Zutaten kann kombiniert werden. Meine Anleitung ist nur ein Beispiel, und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Man kann mit anderen Obstsorten und auch anderen Zutaten wie z.B. Haferflocken oder Kleie experimentieren. Ich habe auch schon einmal den Multivitaminsaft von Capri Sonne verwendet. Das mochten die Tiere auch sehr gerne. Das Problem war nur, dass das Zeug beim Kochen stark aufschäumt, so dass ich am Ende zwei Eiswürfelschalen verwenden musste. Die Würfel bestanden nach dem Abkühlen aus einer oberen Schicht Schaum, und nur die untere Hälfte war Jelly. Statt Agar Agar lässt sich vielleicht auch Gelatine verwenden, wobei ich in der Verwendung von Agar Agar eigentlich fast nur Vorteile sehe. Es ist pflanzlich und kostet eigentlich nicht mehr, wenn man bedenkt, dass man sehr viel weniger für die gleiche Menge Flüssigkeit braucht wie bei Gelatine.
In der Verwendung des Gelees sind einem ebenfalls kaum Grenzen gesetzt. Auch Schaben stehen voll auf das selbstgemachte Beetle Jelly. Bei einer großen Schabenzucht kann sich sich die Eigenherstellung auf jeden Fall rentieren. Sollen die Schaben verfüttert werden, eignet sich das Beetle Jelly hervorragend zum Gut Loading. Dann kann man in den Saft z.B. sehr gut etwas Klaziumpulver oder auch zerriebene Sepiaschale reinmischen. Sehr gut geeignet ist auch Nekton MSA, das Kalzium und Vitamin D enthält und dafür ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Selbst meine Grillen haben das Gelee gefressen.

Zu allerletzt möchte ich auf Aussagen eingehen, die ich gelegentlich mal im Internet gelesen habe. Dort hieß es, dass Käfer wie Pachnoda marginata kein Beetle Jelly fressen sollen. Aber wozu viel darüber reden, Bilder sagen mehr als Worte:

Pachnoda marginata peregrina beim Fressen von selbstgemachtem Beetle Jelly

 

Über andere Mischungsverhältnisse und über die Mitteilung Eurer Erfahrungen würde ich mich freuen. Diese könnt Ihr im Biotropics-Forum oder auf der Biotropics-Facebookseite posten.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

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