Basiliscus
LAURENTI, 1768
Basilisken

Ordnung

Squamata

Unterordnung

Sauria

Familie

Iguanidae

Unterfamilie

Corytophaninae

Gattung

Basiliscus

Der Gattungsname kommt vom griechischen Wort “basiliskos” und bedeutet eigentlich “kleiner König”, vermutlich eine Anspielung auf die Krone. Bei den Griechen und Römern des Altertums bezog sich der Begriff “Basilisk” jedoch auf ein giftiges Fabelwesen aus der Antike mit Reptilienkörper und Flügeln, dessen Blick bereits ausreichen konnte, um Menschen und Tiere zu Stein erstarren zu lassen. Dieser Name wurde aufgrund des äußeren Erscheinungsbild dieser Echsen gewählt und hat natürlich nur wenig mit den echten Basilisken zu tun.

Die Gattung Basiliscus beinhaltet derzeit vier Arten. Es handelt sich bei allen Vertretern um sehr attraktive und bizarr geformte Echsen. Die Reptilien sind für Terraristikverhältnisse als große Echsen zu bezeichnen, die eine Länge von über 90 cm erreichen können. Es besteht eine nahe Verwandtschaft zu den Helmleguanen (Corytophanes) und zu den Kronenbasilisken (Laemanctus) mit denen sie zusammen in der Unterfamilie Corytophaninae eingeordnet werden. Die in der Terraristik wohl relevanteste Art dürfte der Stirnlappenbasilisk (Basiliscus plumifrons) sein gefolgt vom Streifenbasilisken. Gelegentlich werden auch Helmbasilisken angeboten, aber beim Ecuadorbasilisken dürfte es sich wohl um eine absolute Rarität in der Terraristik handeln.
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Basilisken erstreckt sich hauptsächlich über Mittelamerika und reicht von den mexikanischen Bundesstaaten Tamaulipas und Jalisco (Basiliscus vittatus) bis nach Ecuador (Basiliscus galeritus) in Südamerika. Bewohnt werden hauptsächlich die immerfeuchten Tieflandregenwälder, die das ganze Jahr über ein tropisch-feuchtes Klima mit Tagestemperaturen von 28-33 °C und Nachttemperaturen von 17-25 °C aufweisen (KÖHLER 2004). Das Habitat ist durch dichten Pflanzenwuchs mit großen Bäumen in der unmittelbaren Nähe von Gewässern gekennzeichnet. Das Leben dieser tagaktiven Tiere spielt sich teils auf Bäumen und teils am Wasser ab. Basilisken sind schnelle Läufer, was man schon an den kräftigen Extremitäten erkennen kann. Insbesondere die Hinterbeine sind lang und muskulös. Die Zehen sind mit kräftigen Krallen ausgestattet und ermöglichen ein behendes Klettern auf Bäumen. Eine Besonderheit sind kleine Hautfalten an den Seiten der Zehen der Hinterfüße. Diese ermöglichen es den Tieren z.B. bei der Flucht kurze Strecken auf den Hinterbeinen über der Wasseroberfläche zu laufen, eine Eigenschaft, die sonst noch bei den Segelechsen der Gattung Hydrosaurus gefunden wird. Aus diesem Grund werden Basilisken in ihren Heimatländern gelegentlich auch Jesusechsen genannt. Diese Fähigkeit wird vor allem von Jungtieren auf der Flucht vor Fressfeinden ausgenutzt. Adulte Tiere sind meist zu schwer und tauchen häufig unter, bevor sie das andere Ufer erreichen. Beim Laufen auf zwei Beinen mit aufgerichtetem Körper dient der Schwanz als wichtiges Gegengewicht. Verlieren die Echsen diesen aus irgendeinem Grund, so ist ein bipedales Laufen nicht mehr möglich. Basilisken in freier Wildbahn sind sehr scheu und haben eine große Fluchtdistanz. Auf Menschen sollen sie zunächst mit Kopfnicken reagieren (KÖHLER 2004). Anschließend flüchten sie auf den Hinterbeinen. Dabei können sie Geschwindigkeiten von ca. 12 km/h erreichen.
Zu den natürlichen Feinden gehören größere Reptilien wie einige Schlangenarten, Krokodile sowie Vögel. Einige Tiere plündern die Gelege von Basilisken. Neben Ameiven (Ameiva sp.) und Nasenbären (Nasua nasua) zählt KÖHLER (2004) noch den Spitzkopfpython (Loxocemus bicolor), den Nordamerikanischen Waschbären (Procyon lotor), die Vieraugen-Beutelratte (Philander opossum), das Nordopossum (Didelphis marsupialis), den Ozelot (Felis pardalis), die Wieselkatze (Felis yagouaroundi), den Tayra-Marder (Eira barbara), den Halsbandpekari (Tayassu tajacu) und das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) als potentielle Nesträuber auf.

Die Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt vermutlich bei ca. 2 Jahren. In menschlicher Obhut können die Echsen ein Alter von über 15 Jahren erreichen.

Haltung im Terrarium

Für die Haltung in Gefangenschaft braucht man insbesondere für die Basilisken geräumige Terrarien. Für die ruhigen Helmleguane und Kronenbasilisken genügen auch nicht allzu große Becken. Will man ein einigermaßen natürliches Verhalten beobachten, sollte man eine Größe von mindestens 180 x 80 x 180 cm anbieten. Die Terrarien sollten reich mit körperdicken Ästen strukturiert und dicht bepflanzt sein. Einige Äste sollten über das Wasserbecken ragen und werden auch in freier Wildbahn gerne als Aufenthaltsort genutzt. Dünnere Äste werden zum Schlafen aufgesucht. In der freien Wildbahn hat das den Vorteil, dass auch leichte Vibrationen, die z.B. von heranschleichenden Räubern verursacht werden, schnell registriert werden können. Als Bepflanzung eignen sich nur kräftige Arten wir z.B. Monstera, Ficus, Vriesa etc. Ein Wasserbecken, das groß genug ist, dass die Echsen komplett hineinpassen, sollte ebenfalls nicht fehlen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass das Becken leicht zu reinigen ist. Ein Ablauf ist deshalb unverzichtbar, wenn das Becken fest im Terrarium installiert ist. Es bietet sich jedoch an, Wannen zu installieren, die sich zur Reinigung entnehmen lassen. KOBER (2008) empfiehlt z.B. 90 Liter Mörtelwannen, von denen zwei ineinander gesteckt werden, damit die obere leicht entnommen werden kann. Das Wasser in der Wanne sollte am besten auf ca. 25-28 °C erwärmt werden.
Als Bodengrund eignen sich mehrere Substrate. Man kann von Blumenerde, Torf, Blähton bis zu Rindenmulch alles verwenden. Will man jedoch züchten, sollte man den Weibchen eine Substrathöhe von mindestens 15 cm anbieten. Eine kritische Tiefe scheinen 10 cm zu sein. Kann das Weibchen für die Eiablage diese Tiefe nicht erreichen, droht Legenot.
Die Temperaturen im Terrarium sollten tabsüber bei max 30 °C und nachts zwischen 20-25 °C liegen. An den Sonnenplätzen können tagsüber lokale Temperaturen von 40 °C angeboten werden.
Zur Beleuchtung eignen sich am besten HQI-Strahler, die man z.B. mit T5-Röhren kombiniert. Außerdem sollten einige Sonneninseln geschaffen werden. Eine regelmäßige Bestrahlung mit einer speziellen UV-Lampe sollte nicht fehlen.
Die Luftfeuchtigkeit sollte entsprechend der Herkunft der Tiere bei 80-90% liegen und darf nachts und in der Regenzeit auch tagsüber auf 100% steigen.

Ernährung

Basilisken ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost. PETZOLD (1972) erwähnt, dass er im Magen von Wildfängen vor allem Spinnen und Ameisen gefunden hat. Außerdem gibt es weitere Untersuchungen an Mageninhalten von Basiliscus plumifrons, in denen Süßwassergarnelen als Hauptnahrung gefunden wurden. Basilisken verschmähen aber auch andere Wirbeltiere wie kleinere Echsen, Schlangen, kleine Nager und Vögel nicht. Verfüttert werden sollten in Gefangenschaft die üblichen Insekten wie z.B. Grillen, Heuschrecken, Zophobas und Schaben. Nestjunge Mäuse, kalkbepuderte Regenwürmer, Gehäuseschnecken, Rinder- und Hühnerfleisch, Hunde- und Katzenfutter sowie Fischstückchen werden ebenfalls angenommen. Man kann den Basilisken auch lebende Fische (z.B. Guppys, Platys und junge Goldfische) anbieten, die man einfach im Wasserbecken freilässt. An pflanzlicher Nahrung bietet man verschiedene Obstsorten (Pfirsiche, Mango, Bananen, Äpfel, Weintrauben, Melonen, Erdbeeren, Kirschen und Birnen an), die mit Vitaminen angereichert werden. An Gemüse bietet man Kohl, Karotten, Löwenzahn sowie verschiedene Keimlinge an. Auch aufgetautes Frostfutter soll angenommen werden. Das Futter sollte regelmäßig mit Vitaminen und Mineralstoffen bestäubt werden. Auch eine Schale mit Taubengrit oder zerriebener Sepiaschale sollte den Tieren immer zur Verfügung stehen. Adulte Echsen werden 2-3 mal wöchentlich gefüttert, Jungtiere kriegen 5 x in der Woche soviel zu fressen, wie sie innerhalb einer Stunde annehmen. Wie bei anderen Echsen auch, ernähren sich Jungtiere vornehmlich von tierischer Kost, während die Adulti zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil auch pflanzliche Kost zu sich nehmen. Wasser wird normalerweise nach dem Sprühen von der Dekoration aufgeleckt, aber auch das Wasserbecken wird als Tränke genutzt.

Zucht

Die Paarung findet nach einem für Leguanartige typischen Ritual statt. Das Männchen nähert sich unter heftigem Kopfnicken dem Weibchen, welches wiederum das Nicken erwidert. Auch wenn das Weibchen paarungswillig ist, flüchtet es meist und wird vom Männchen verfolgt. Nach dieser Verfolgungsjagd erfolgt die Paarung, die durch einen Nackenbiss eingeleitet wird. KÖHLER (2004) erwähnt jedoch, dass in vielen Fällen das Weibchen vom Männchen überrascht wird, das von einer Anhöhe von hinten auf das Weibchen springt. Die Paarung selbst dauert nur wenige Sekunden bis Minuten. Ein paarungsunwilliges Weibchen reagiert nicht auf die Annäherungen des Männchens und dreht sich meist von diesem ab.
Die Eiablage findet 1-1,5 Monate nach der Paarung statt. Weibchen können 3-7 im Jahr Eier ablegen. Dabei sind sie befähigt, Samen zu speichern, so dass eine Befruchtung für mehrere Eiablagen reicht (Amphigonia retardata). Trächtige Weibchen nehmen im Verlauf deutlich an Volumen zu. Wenige Tage vor der Eiablage suchen sie nach geeigneten Ablagestellen. Diese sind idealerweise mind. 15 cm tief und bieten ein leicht grabfähiges Substrat. Außerdem sollten diese Stellen nicht zu kühl sein. Ein Anstrahlen mit Spotlampen kann hilfreich sein. Der anstrengende Vorgang der Eiablage dauert 3-4 Stunden (KÖHLER 2004).

Jungtiere halten sich auch in freier Wildbahn in kleinen Gruppen auf, was die Überlebenschancen der einzelnen Echsen erhöht.

Arten

B
Basiliscus basiliscus

G
Basiliscus galeritus

P
Basiliscus plumifrons COPE, 1876

V
Basiliscus vittatus (Bild)

Buchempfehlungen

Basilisken von Gunther Köhler

Der Stirnlappenbasilisk von Ingo Kober
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Literatur

COPE, E.D. (1900): The crocodilians, lizards and snakes of North America. - Ann. Report U.S. Natl. Mus. 1898: 152-1270.

ETHERIDGE, R.E. (1959): The relationships of the anoles (Reptilia: Sauria: Iguanidae), an interpretation based on skeletal morphology. - Ph.D. Dissertation, Univ. Michigan, 236 S.

FROST, D.R. & R.E. ETHERIDGE (1989): A phylogenetic analysis and taxonomy of iguanian lizards (Reptilia: Squamata). - Misc. Publ. Univ. Kansas Mus. Nat. Hist. 81: 1-65.

GLASHEEN, J.W. & T.A. McMAHON (1996a): A hydrodynamic model of locomotionin the basilisk lizard. - Nature, London, 380: 340-342.

GLASHEEN, J.W. & T.A. McMAHON (1996b): Size-dependence of water-running ability in basilisk lizards (Basiliscus basiliscus). - J. Exp. Biol., 199(12): 2611-2618.

HIRTH, H.F. (1963): The ecology of two lizards on a tropical beach. - Ecol. Monogr. 33: 83-112.

KOBER, I. (2008): Der Stirnlappenbasilisk - Basiliscus plumifrons. - Natur und Tier-Verlag, Münster, 63 S.

KÖHLER, G. (2004): Basilisken - Helmleguane - Kronenbasilisken. - Herpeton Verlag, Offenbach, 95 S.

LAERM, J (1974): A functional analysis of morphological variation and differential niche utilization in basilisk lizards. - Ecology, 55(2): 404-411.

LANG, M. (1989): Phylogenetic and biogeographic patterns of basiliscine iguanians (Reptilia: Squamata: “Iguanidae”). - Bonn. Zool. Monogr. 28: 1-172.

LAZELL, J.D. (1992): The family Iguanidae: Disagreement with Frost and Etheridge (1989). - Herpetol. rev. 23(4): 109-112.

PETZOLD, H.-G. (1972): Basilisken. - Aquarien Terrarien, 08/72: S. 258.

ZUG, G.R. (1971): The distribution and patterns of the major arteries of the iguanids and comments on the intergeneric relationships of iguanids (Reptilia: Lacertilia). - Smithson. Contrib. Zool. 83: 1-23.

 

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