Avicularia versicolor

ehemals Aranea hirtipes (WALCKENAER, 1837)

 

Beschreibung

Die Art Avicularia versicolor wurde 1837 von WALCKANAER Avicularia versicolor Jungtierklassifiziert. Die Grundfärbung beider Geschlechter ist grün-schwarz, der Vorderleib schimmert metallisch grün, die vergleichsweise längeren Haare des Hinterleibs und der Beine sind rötlich-rosa gefärbt. Jungtiere sind blau-metallisch gefärbt und weisen eine dunkle Querbänderung auf dem Abdomen auf. Die äußerst attraktive Art steht in dem Ruf, ihr Leben lang ihre Farbe mit jeder Häutung leicht aber stetig zu ändern. Die sehr dichte Behaarung sowie der schlanke Körperbau sind deutliche Hinweise darauf, dass es sich bei Avicularia versicolor wie bei den meisten Avicularien um einen Baumbewohner handelt. Die Behaarung hilft bei den bis zu 30 cm weiten Sprüngen zur Flucht oder zur Beutejagd, da mit ihrer Hilfe die Tiere weiter “segeln” können. Weibchen der Art erreichen laut VON WIRTH 5 cm Körperlänge, laut KOTHE 6 cm. Die Jugendfärbung von Avicularia versicolor ist wunderschön blau-metallisch; hier ein Spiderling in der dritten Fresshaut.

Verbreitung

Guadeloupe und Martinique. Bergwald. Ausgeprägter Baumbewohner.

Verhalten

Baut im natürlichen Habitat Gespinste in Blattachseln und in Blättern, die sie zu Röhren dreht. Die Netze können sehr ausladend sein. Friedlicher Charakter, flieht bei Beeinträchtigung und verlässt meist erst bei Dunkelheit das schützende Versteck.

Haltung im Terrarium

Eigene Erfahrung

Sie konnte ich bisher nur bei der Pflege von Spiderlingen sammeln, die mir einige Mühe und unerfreuliche Erfahrungen beschert hat. Die leicht zu kühle Haltung bei 22-23° C tagsüber und 19-20° C in der Nacht sowie eine scheinbar für Spiderlinge zu hohe Luftfeuchtigkeit von ca. 70% verziehen die Tiere nicht. Sie gingen und gehen auch bei der Änderung dieser klimatischen Verhältnisse schwer ans Futter (Mikroheimchen), sind scheu und überaus ängstlich beim Beutefang. Um die Luftfeuchte niedriger zu halten, ersetzte ich nach dem ersten Todesopfer unter den von mir insgesamt drei gepflegten Spiderlingen den Bodengrund in den Aufzuchtbehältern durch sterileres Küchenpapier, das ich nur spärlich befeuchtete. Die Folge war die Dehydrierung der Tiere. Sie konnte ich durch Tränken von der Pipette stets beheben. Ein solches Tränken war aber nur bei durch Dehydrierung geschwächte Tiere möglich; ansonsten liefen sie wie von der Tarantel gestochen durch die Aufzuchtbehälter. Wassertropen fanden sie leider ohne Starthilfe nur äußerst schwer. Mittlerweile ist von drei Tieren, die ich in der zweiten Fresshaut erhielt, noch eines in der fünften Fresshaut übrig. Fazit: Die Aufzucht dieser Art hat meine Begeisterung für die so viel gepflegten und weit verbreiteten Avicularien nicht gerade geweckt, geschweige denn gesteigert. Da bleibt wohl nur der Rat, sich besser ein subadultes Tier zuzulegen. Mir stellt sich aufgrund mangelnder Erfahrung nur die Frage, ob man bei der sehr nachtaktiven Art überhaupt etwas von der Farbenpracht der Tiere mitbekommt? Anders als bspw. Chromatopelma cyaneopubescens, Brachypelma smithi, Grammostola actaeon oder Grammostola grossa sonnen sich die Tiere m.E. nicht.

Terrarium

Standard für Baumbewohner (ab 25X25x35).

Licht

Ein 20 Watt Halogenspot im Terrarium liefert in der oberen Region die nötige lokale Wärme. Schenkt man manchen Halterberichten Glauben, so tendieren Avicularien dazu, die Spots als “Zentralheizungen” in ihre Gespinste einzubauen.

Temperatur

Tag 25-27° C, Nacht 20° C. Da die Art aus den Bergwäldern von Martinique stammt, muss sie etwas kälter als andere Avicularien aus Tieflandregionen gehalten werden.

Luftfeuchtigkeit

80%. Sie wird durch den feuchten Bodengrund und den möglichen Besatz mit Pflanzen erreicht. Für gute Belüftung und gelegentliche Luftbewegung – durch Computerlüfter oder simples In-das-Terrarium-Pusten (aber bitte nie auf die Spinne!) – sorgen; die Art, insbesondere Jungtiere, reagiert allergisch auf Stickluft. Bei Jungtieren kann man eine geringere Luftfeuchtigkeit sinnvoll sein, da diese der Grund für eine erhöhte Sterblichkeit unter den Spiderlingen darstellen könnte, wie PETERS vermutet. Durch gezieltes Sprühen ins Gespinst kann Dehydrierung vorgebeugt werden.

Bodengrund

Zwei Teile Blumenerde, ein Teil Vermiculit, das die Feuchtigkeit besser hält. Diese Wirkung kann ersatzweise auch Blähton erfüllen, wie man ihn für Hydrokulturen verwendet. Den Bodengrund vollständig feucht halten.

Einrichtung

Ausreichend Geäst wie bspw. dekorative sandgestrahlte Weinreben oder Moorkienholz – beide extrem feuchtigkeitsbeständig – und kleinere Korkeichenröhren als Verstecke einbringen. Möglich ist zudem ein Trinknapf von 6-8 cm Durchmesser (Blumenuntersetzer, Plastik), in dem ein Stückchen Korkrinde als Rettungsring für Futtertiere schwimmt. Auf diesen kann bei täglichem Sprühen ins Gespinst (bitte nie auf die Spinne!) verzichtet werden.

Fütterung

Stubenfliegen, Nachtschwärmer, Heimchen und Grillen, die die Länge des Prosoma (Vorderleib) nicht überschreiten. Für Spiderlinge bieten sich Drosophila (fliegende Form) und trotz der Größe recht früh schon Stubenfliegen an. Auch Mikrogrillen werden problemlos angenommen; damit sie gefunden werden, sollte man sie jedoch ins Gespinst setzen.

Zucht

Laut PETERS ist sie äußerst einfach: “Ich habe einfach ein männliches Tier zu einem fünfmal !!! größeren Weibchen gesetzt. Das kleinere Männchen zeigte keinerlei Angst oder Respekt, sondern ging sofort daran, das Weibchen zu paaren [sic!]. Was ihm auch nach wenigen Minuten gelang. Insgesamt hat er sich fast 20 Minuten abgemüht, wirklich abgemüht, was angesichts des Größenunterschiedes verständlich war. Nach der Trennung ließ ihn das Weibchen in Ruhe ziehen. Das war meine erste Spinnenpaarung – kein Problem.” Laut KOTHE kann der Kokon mehrere hundert Eier enthalten. SCHULTZ/SCHULTZ verweisen auf die erste Januarwoche als Paarungszeitpunkt und den Februar zum Kokonbau (auch im Norden der USA herrscht wie in unseren Breiten dann tiefster Winter).

Diese Arten könnten Sie ebenfalls interessieren:

Avicularia minatrix
Avicularia purpurea

Brachypelma smithi (Rotknievogelspinne)
Theraphosa blondi (Riesenvogelspinne)

Literatur

KLAAS, P. (2003): Vogelspinnen

KOTHE, H. W. (2003): Vogelspinnen

PETERS, H.-J. (2000): Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 1

SCHULTZ, S.A./SCHULTZ, M.J. (1998): The Tarantula Keeper´s Guide

VON WIRTH, V. (1996): Vogelspinnen

WEBB, A. (2002): Vogelspinnen

 

Google
Web Biotropics.com