Aphonopelma stoicum

ehemals Eurypelma stoica (CHAMBERLIN, 1925)

 

Beschreibung

Die Art Aphonopelma stoicum wurde Aphonopelma stoicum1925 von CHAMBERLIN als Eurypelma stoica klassifiziert. Die aktuelle Bezeichnung führte ROEWER 1942 ein, wobei er sie der Gattung Aphonoplema zuwies. PETERS (2000) weiß darüber zu berichten: “Zur Beschreibung lag [CHAMBERLIN, d. Verf.] lediglich ein einzelnes männliches Exemplar vor. Dieser Holotyp ist heute stark beschädigt, ja es fehlen sogar 4 Beine. Über den Sammler liegen keine Daten vor. Das Tier hatte eine Größe von nur 29 mm. Über die Färbung gibt es so gut wie keine Informationen: “Body clothed with rusty brown hair.” Das ist alles. […] Erst 1997 wurde das Weibchen von Dr. Günter SCHMIDT und Friedhelm PIEPHO beschrieben.” Die Art ist eine absolute Rarität.

Ich würde die Färbung nicht wie CHAMBERLIN als rostbraun, sondern vielmehr als ein dunkles Kaffeebraun beschreiben. Vor der Häutung wird diese Färbung immer heller. Der Körperbau ist eher gedrungen wie bei Brachypelma vagans und lässt auf bodenbewohnende, teils unterirdische Lebensweise schließen. Aphonopelma stoicum steht damit in nichts ihren übrigen Gattungsgenossen nach.

Geschlechtsunterschiede

Die von uns gepflegten Tiere sind mit knapp zwei Jahren subadult und bisher hat nur ein Männchen die Reifehäutung hinter sich, die sich somit vermutlich erst mit 2-2 1/2 Jahren einstellt. Schon jetzt lassen sich jedoch relativ sicher die Geschlechter nach der “Klaasschen Methode” bestimmen. Dazu bugsiere ich ein Tier in eine transparente Grillenbox und betrachte eingehend den Unterleib. Bei Männchen ist an der Unterseite des Abdomens oberhalb der Epigastralfurche eine kreisrunde dunkle Region von ca 1,5 mm Durchmesser zu erkennen. Bei Weibchen sieht man stattdessen einen bis zu 7 mm breiten horizontalen Schlitz in der Epigastralfurche. Hierbei ist eine Lupe sehr hilfreich, außerdem gilt: Übung macht den Meister.

Verbreitung

Chichen Iza auf der Halbinsel Yucatan am Golf von Mexiko im äußersten Osten des Landes. Yucatan ist ein Tieflandplateau mit Höhen von weniger als 300 m über dem Meeresspiegel. Hier sind die Temperaturen sehr ausgeglichen, und selbst in den Sommermonaten gibt es nur wenig Niederschlag (der durchschnittliche Jahresniederschlag am Fundort Chichen Iza beträgt 1185 mm). Die winterliche Trockenheit zwischen Oktober und März wird regelmäßig alle acht Tage von winterlichen Kaltluftvorstößen, den sog. “Nortes”, mit Luftmassen aus dem Norden der USA unterbrochen. Dabei unterscheidet man bei diesen kühlen Winden feuchte und kalte Nortes. Die mittlere Monatstemperatur beträgt 22 - 28°C. Die Oberfläche der Halbinsel ist mit Trockenbusch bewachsen, welcher jedoch nicht die Primärvegetation ist. Diese wechselt je nach Höhenlage und Küstennähe von immergrünem zu laubabwerfendem Regenwald.

Verhalten

Aphonopelma stoicum verhält sich ambivalent; so lassen sich bei verschiedenen Tier ganz verschiedene Charaktere feststellen. Sie ergreift grundsätzlich die Flucht; in die Enge getrieben, dreht sie sich oft in Vektrallage. Es ist unklar, ob dies die bevorzugte Abwehrposition der Art ist, in der Sie den Angreifer leichter beißen kann. Ein solches Verhalten lässt sich bspw. bei Selenocosmia javanensis beobachten. Möglich ist auch ein Totstellreflex, von dem mir jedoch bei anderen Vogelspinnen nichts bekannt ist. Ein Biss in dieser Position bleibt bei weiterer Provokation aus. Wenn überhaupt, erfolgen Bissversuche nur in Normalposition. Gelegentlich bombardieren die Tiere auch; die Reizhaare sind nicht besonders wirksam.

 

Haltung im Terrarium

Eigene Erfahrung

Ich erhielt im Juni 2002 eine Anzahl von Spiderlingen, die aus einem erfolgreichen Lüneburger Zuchtversuch hervorgingen. Die Spiderlinge waren gattungsspezifisch besonders klein mit ca. 3 mm Körperlänge, als ich sie in der ersten Fresshaut erhielt – sie hatten eine Woche zuvor den kugelrunden Kokon verlassen, kehrten aber noch gelegentlich als Schutz dahin zurück. KLAAS (2003) dazu: “Wie bei allen Arten der Gattung Aphonopelma bestätigt die Größe der Jungspinnen von etwa zwei Millimetern Gesamtlänge ein Merkmal zur Gattungszugehörigkeit.” Sie fraßen sofort tapfer und stetig lebende und tote frisch geschlüpfte Mikroheimchen. Ich zog sie in klassischen Grillenboxen auf Kokoshumus auf, den ich stets zu zwei Dritteln feucht hielt. Sie wuchsen langsam bei ca. 23° C Tag- und 18-20° C Nachttemperatur. Mitte Januar 2004 setzte ich sie in Standardterrarien (30x30x20) um. Mittlerweile sind sie auf 4 cm herangewachsen. Nach der Klaasschen Methode sind bereits Geschlechter zu erkennen. Seit der Umsiedlung werden potentielle Männchen “auf Sparflamme” gepflegt: sie erhalten weniger Futter und werden 2-3° C kälter gehalten als die Weibchen. Letztere werden regelrecht gestopft. Mit etwas Glück erhalten wir so aus einem Kokon zuchtreife Paare (normalerweise reifen die Männchen sehr viel schneller als die Weibchen; die Haltungsunterschiede sollen diesen Prozess verlangsamen).

Terrarium

Standard für Bodenbewohner (ab 20X30x20).

Licht

Ein 20 Watt Halogenspot im Terrarium sorgt für die nötige Wärme.

Temperatur

Tag 24-28° C, Nacht 18-20° C.

Luftfeuchtigkeit

65-75% Bodenfeuchtigkeit im Versteck.

Bodengrund

Aphonopelma stoicum bevorzugt einen leicht lehmhaltigen, aber dennoch lockeren Bodengrund. Vorgeschlagenes Mischverhältnis: 1 Teil ungedüngte Blumenerde oder Lauberde, 1 Teil Rasenerde oder Lehm, 1 Teil grober Sand. Den Bodengrund zur Hälfte feucht halten.

Einrichtung

5-7 cm hoher Bodengrund. Ein gebogenes Stück Korkrinde, unter dem sich schützende Dunkelheit und höhere (Boden-)Feuchtigkeit einstellen. Notwendig ist zudem ein Trinknapf von 6-8 cm Durchmesser (Blumenuntersetzer, Ton, innen glasiert), in dem ein Stückchen Korkrinde als Rettungsring für Futtertiere schwimmt.

Fütterung

Heimchen, Grillen und subadulte Heuschrecken, die die Körperlänge der Spinne nicht überschreiten. Verfüttert man tote Insekten, können sie auch größer sein als die Spinne.

Zucht

Verläuft nach Züchterangaben recht friedlich und unkompliziert.

 

Literatur

KLAAS, P. (2007): Vogelspinnen im Terrarium - Lebensweise, Haltung und Zucht. - Eugen Ulmer Verlag, 144 S.

PETERS, H.-J. (2000): Kleiner Atlas der Vogelspinnen, Band 1. - TOW-Verlag, Weinberg, 148 S.

 

Google
Web Biotropics.com