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Rotkehlanolis

Anolis carolinensis VOIGT, 1832

 

Das Epitheton “carolinensis” bezieht sich auf den Ursprungsort in den Karolinen. Die Unterartbezeichnung “seminolus” bezieht sich auf die amerikanischen Ureinwohner, die Seminolen, deren Heimatort in Südwest-Florida, im Verbreitungsgebiet dieser Unterart liegt.

engl.:
Anolis c. carolinensis: Northern Green Anole
Anolis c. seminolus: Southern Green Anole

 

Schutzstatus

Kein Schutzstatus.

Preiskategorie

Niedrig. Auf Börsen kann man die Rotkehlanolis schon für 5-6 Euro kaufen.

Schwierigkeitsgrad

Gering. Aufgrund der leichten Haltung im Terrarium gehört der Rotkehlanolis zu den “Anfängertieren”.

 

Beschreibung

Anolis carolinensisDer Rotkehlanolis ist wahrscheinlich der bekannteste Vertreter der Gattung Anolis und mit Sicherheit eine der bekanntesten Echsen in der Terraristik überhaupt. Leider werden die Tiere mittlerweile so häufig und günstig angeboten, dass man Nachzuchten kaum mehr vermitteln kann.
Von allen Anolis bewohnt der Rotkehlanolis aufgrund seiner geringen Ansprüche das größte und nördlichste Verbreitungsgebiet. Typischerweise bewohnen sie Büsche und Sträucher, sie kommen aber als Kulturfolger auch in Häusern und Gärten vor. Bewohnt werden offene Grassteppen bis hin zu subtropischen Wäldern. Die Tiere leben in kleinen Kolonien. Während die Adulti an höheren Stellen und schattiger leben, sind Jungtiere mehr in sonnigen Bereichen in Bodennähe zu finden (BEHLER & KING 1985).Anolis carolinensis
Anolis carolinensis ist eine sehr schöne und interessante Echse, die sich innerhalb von Sekunden von grün in braun umfärben kann, was ihr den Namen amerikanisches Chamäleon eingebracht hat. Häufig sind die Tiere jedoch tagsüber braun gefärbt. Ihre wunderschöne grasgrüne Färbung zeigen sie meist nur bei Rivalitätskämpfen oder während sie schlafen. FLÄSCHENDRÄGER & WIJFFELS (1996) berichten, dass frei in einer Tropenhalle gehaltene Exemplare bei sonnigem Wetter und Temperaturen über 25 °C ständig eine grüne Färbung zeigen und schlußfolgern, dass der ausschlaggebende Faktor für die Grünfärbung die hohe Lichtintensität und Temperatur ist, während die Farbe des Untergrundes keinen Einfluss auf die Färbung hat (WIJFFELS 1959). Auf dem Rücken findet man einen weißen, gezackten Streifen, der besonders bei weiblichen Tieren und Jungtieren ausgeprägt ist. Werden subadulte Männchen, die diesen Streifen noch besitzen, mit einem dominanten Männchen vergesellschaftet, behalten sie diese ZeiAnolis carolinensischnung über mehrere Jahre. Dieser Dorsalstreifen scheint das aggressive Verhalten des dominanten Männchens zu unterdrücken (FÜRST 1980). Der Halsbereich und die Labialregion sind weißlich gefärbt. Insbesondere bei grün gefärbten Tieren ist das Weiß sehr intensiv. Der Kehlfächer ist bei den Männchen besonders stark rosa bis weinrot gefärbt. Laut VANCE (1991) unterscheidet sich die Unterart Anolis carolinensis seminolus von der Nominatform durch eine schmalere und spitzer verlaufende Schnauze und durch nur 3-4 Reihen Lorealschuppen im Vergleich zu 4-8 bei Anolis c. carolinensis. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die gräuliche bis schwach rosafarbene Kehlfahne und ein weiß umrandeter Axillarfleck. Männliche Rotkehlanolis können eine Körperlänge von 220 mm bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 70 mm erreichen. Weibchen bleiben mit einer Gesamtlänge von 160 mm bei einer KRL von 55 mm viel kleiner.

Es gibt weitere Arten, die dem Rotkehlanolis verwandschaftlich nahe stehen und zur carolinensis-Gruppe zählen. Hierzu gehören Anolis longiceps, Anolis maynardi, Anolis fairchildi und Anolis smaragdinus.

Anolis carolinensisGeschlechtsunterschiede

Männchen sind normalerweise größer und haben einen mächtigeren Kopf. Der Kehlfächer ist stärker ausgebildet. Weibchen haben einen ausgeprägten Dorsalstreifen. Ein weiteres Merkmal der Männchen ist ein aufstellbarer Hautsaum, der vom Nacken bis zum Schwanzansatz reicht.

Verbreitung

Anolis c. carolinensis: Zentral-Texas über Südost-Oklahoma bis in den Südosten der USA (Südost-Virginia bis Florida inkl. Florida Keys). Außerdem Nordost-Mexiko (FLORES-VILLELA 1993). Es wurden auch Tiere nach Japan verschleppt (Chichizima Island, Hahazima Island, Okinawazima Island).

Anolis c. seminolus: Südwest-Florida.

Unterarten

  • Anolis carolinensis carolinensis (VOIGT, 1832)
  • Anolis carolinensis seminolus VANCE, 1991

Terrarienhaltung

Terrarium

HESELHAUS & SCHMIDT (1990) empfehlen für ein Männchen und zwei Weibchen 50 x 50 x 80 cm, JES (1988) empfiehlt 40 x 40 x 60 cm für die gleiche Gruppengröße. Um den territorealen Echsen genügend Fluchtmöglichkeiten zu bieten, empfiehlt sich die Verwendung von größeren Terrarien. Ich halte eine Größe von 60 x 60 x 100 cm (L x B x H) für ein Männchen und zwei Weibchen für angemessener.

Licht

Als innere Beleuchtung kann man je nach Größe des Terrariums Halogenbirnen oder normale Birnen verwenden. Leuchtstoffröhren sorgen für zusätzliches Licht. Bei einer hohen Lichtintensität sind die Anolis besonders schön gefärbt, deshalb empfiehlt sich die Verwendung von T5- oder T8-Leuchtstoffröhren. BRUINS empfiehlt, das Terrarium im Sommer 12-14 Stunden täglich und in der Winterruhe 8-10 Stunden zu beleuchten.

Temperatur

Anolis carolinensisIm nördlichen Verbreitungsgebiet liegen die Temperaturen im Sommer bei durchschnittlich 28 °C und im Winter bei 12 °C. Durch das weit nördliche Verbreitungsgebiet bedingt, werden Rotkehlanolis in freier Wildbahn z.T. sehr niedrigen Temperaturen ausgesetzt. MEJI (1981) berichtet, dass die Temperaturen auf -3 °C fallen können, und dass sich die Echsen dann im Boden eingraben, um der Kälte zu entgehen. Solche Temperaturstürze stellen jedoch die Ausnahme dar. Für die Terrarienhaltung wählen wir höhere Temperaturen. HESELHAUS & SCHMIDT (1990) nennen eine Temperatur von 20-28°C, JES (1988) empfiehlt 25-30°C tagsüber und 18-23°C nachts. ULLRICH (1997) empfiehlt 25-30 °C tagsüber und 20 °C abends. Unter einem Spot sollten lokal Temperaturen von ca. 35°C erreicht werden.

Luftfeuchtigkeit

50-80%.

Einrichtung

Da Anolis carolinensis ein Baumbewohner ist, sollte man verzweigte Äste einbringen. Als Bodengrund eignen sich Torf oder Terrarien-Humuserde, die 10-15 cm hoch eingefüllt wird. Großblättrige Pflanzen bieten Versteckmöglichkeiten und werden als Schlafplatz genutzt.

Fütterung

Verfüttert werden die typischen Futtertiere wie Grillen, Mehlwürmer, Wachsmaden, kleine Schaben, Fliegen etc. Das Wasser wird von den Blättern aufgeleckt.

Zucht

Anolis carolinensisDie Fortpflanzungszeit reicht von März bis September (FLÄSCHENDRÄGER & WIJFFELS 1996). Für eine erfolgreiche Zucht empfehlen HESELHAUS & SCHMIDT (1990) eine zweimonatige Winterruhe bei 15-20°C. Auch FLÄSCHENDRÄGER & WIJFFELS (1996) sprechen von 1-2 Monaten bei 15-18 °C. BRUINS empfiehlt eine Winterruhe von zwei Monaten bei 20-24°C. KARBE et al. (1991) nennen 3 Monate bei 18-22°C. Nach einer Tragezeit von 2-3 Wochen werden 1-2 ca. 7 mm lange Eier vergraben. Die Weibchen können alle 14 Tage ein Gelege produzieren (FLÄSCHENDRÄGER & WIJFFELS 1996). Bei einer Temperatur von ca. 25°C schlüpfen die Jungen nach ca. 66 Tagen. ULLRICH (1997) empfiehlt eine Inkubationstemperatur von 25 °C. Die Jungtiere schlüpfen dann nach 2 Monaten. Sie sind beim Schlupf etwa 60 mm lang mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 22 mm und sind ähnlich gefärbt wie die Weibchen. Nach 7 Monaten können Männchen eine Körperlänge von 18 cm erreichen.

 

Inkubationstemp.

Inkubationszeit

Größe

Gewicht

BECH (1979)

ca. 30 °C

35-40 Tage

k.A.

k.A.

BECH (1979)

20-25 °C

55-60 Tage

k.A.

k.A.

 

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Literatur

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