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Ostafrikanische Siedleragame

Agama lionotus BOULENGER, 1896

Synonym: Blaue Siedleragame

 

engl.: East African Rainbow Lizard, Red-Headed Rock Agama

 

Schutzstatus

kein Schutzstatus

Preiskategorie

Niedrig. Die Tiere werden auf Börsen teilweise für 10-12 Euro angeboten.

Schwierigkeitsgrad

Mittel bis hoch. Es handelt sich bei angebotenen Tieren fast ausschließlich um Wildfänge, die extrem viel Platz brauchen und sehr panisch reagieren. Die Nachzucht ist selten gelungen.

 

Beschreibung

Agama lionotus lionotusAgama lionotus wurde lange Zeit als Unterart von Agama agama geführt. Seit 2005 hat sie Artstatus erlangt und die vormals ebenso unter Agama agama geführten Unterarten dodomae, elgonis und ufipae wurden Agama lionotus zugeordnet. Die Unterart A. l. usambarae wird mittlerweile als Synonym von A. l. lionotus angesehen (WAGNER 2007).
Ähnlich wie die westafrikanische Siedleragame bewohnt auch Agama lionotus hauptsächlich Trockengebiete wie Steppen- und Felslandschaften. Auch sie lebt in Gruppen die etwa 20 Tiere einschließen. Ein dominantes Männchen lebt mit mehreren Weibchen, sowie Jungtieren und wenigen rangniedrigen Männchen. Als Kulturfolger findet man diese Art teilweise in großen Mengen in der Nähe menschlicher Siedlungen. Die Echsen suchen am liebsten Stellen in bis etwa 2 Metern Höhe wie z.B. Felsen, Baumstämme und Hauswände auf, von wo sie kopfunter sitzend die Umgebung beobachten. Kommt ein fremdes Männchen dem eigenen Revier zu Nahe, beginnt ein durch heftiges Kopfnicken geprägtes Imponiergehabe. Das reicht normalerweise auch, um die Reviergrenzen abzustecken. Wenn nicht, läuft der Revierbesitzer dem Eindringling entgegen und stellt sich ihm mit hochgestrecktem Körper entgegen. Um noch größer zu erscheinen wird zudem noch die Kehlfalte aufgestellt. So kurz vor der direkten Konfrontation ändert sich meist auch die Körperfarbe. Dabei kann die rötliche Farbe des Kopfes in ein Braun umschlagen, und die Körperfarbe hellt sich auf. Vermutlich passt sich die Echse so der Umgebung farblich besser an, da sie sich komplett auf den Kampf konzentriert und so anderen Jägern leichter zum Opfer fallen könnte. Selten kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Wenn es jedoch soweit ist, versucht ein Männchen das andere mit weit aufgerissenem Maul durch gezielte Schläge mit dem Schwanz in die Flucht zu peitschen. Wenn es zu Beißereien kommt, können schwere Verletzungen auftreten. Bei der Schwesternart Agama agama wurde von Schwanzverletzungen bis zu Kieferbrüchen berichtet.

Agama lionotus dodomaeDie ostafrikanische Siedleragame erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 35 cm, durchschnittlich wird sie jedoch selten größer als 25 cm. Männliche Agamen können extrem bunt gefärbt sein. Kopf und Schwanz sind dann meist gelb bis orange gefärbt, während der Körper blau bis fast schwarz und die Extremitäten grünlich bis blau gefärbt sind. Der Schwanz ist meist blau gefärbt und weiß geringelt. Die einzelnen Unterarten lassen sich durch die Kehlfärbung der Männchen unterscheiden. A. l. lionotus hat eine einfarbig rote Kehle mit gelegentlich auftretenden hellen und dunklen roten Streifen. Die Kehle von A. l. ufipae ist komplett dunkel. A. l. dodomae hat ebenfalls eine dunkle Kehle jedoch mit einem hellen rautenförmigen Fleck in der Mitte. A. l. elgonis hat eine ähnliche Kehlfärbung wie die Nominatform jedoch mit einem U-förmigen dunklen Feld an der Basis der Kehle (DOBIEY & WAGNER 2007). Die Weibchen sind eher schlicht grau-braun gefärbt mit schwarzen Querbinden und kreisförmigen weißen Flecken von Kopf bis Schwanz. Der Kopf ist meist hell bis zitronengelb. Hier können die weißen Flecken auch türkisfarben sein. Die Unterseite der weiblichen Siedleragamen ist weiß. Wenn die Sonne untergegangen ist, verlieren die ansonsten farbenprächtigen Männchen ihre Färbung und ähneln immer mehr den Weibchen.

Von einer Vergesellschaftung mit anderen Arten ist unter normalen Terrarienbedingungen abzuraten. Kann man den Agamen jedoch sehr große Terrarien (Zimmerterrarien) bieten, kommen evtl. einige Arten in Frage. Im selben Lebensraum wie Agama agama lionotus leben z.B. auch Braune Schildechsen (Gerrhosaurus major) (HENNIG 2003), die die Agamen nicht weiter zu beachten scheinen. Außerdem beobachtete HENNIG auch Blauschwanzskinke (Mabuya quinquetaeniata) in der Nähe der Agamen. Diese duldeten jedoch nur junge Siedleragamen in unmittelbarer Nähe.

Geschlechtsunterschiede

Die Männchen sind im Vergleich zu den Weibchen bunt gefärbt und größer. Die Farben kommen besonders in der Paarungszeit zum Ausdruck. Trächtige Weibchen tragen orangefarbene Flecken an den Flanken.

Unterarten

  • Agama lionotus dodomae LOVERIDGE, 1923
  • Agama lionotus elgonis LÖNNBERG, 1922
  • Agama lionotus lionotus BOULENGER, 1896
  • Agama lionotus ufipae LOVERIDGE, 1932

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Agama lionotus erstreckt sich vornehmlich über das östliche Afrika.

A. l. dodomae: Tansania

A. l. elgonis: West-Kenia, Nord-Tansania, Uganda

A. l. lionotus: Süd-, Nord- und Ost-Kenia [z.B. in Nanyuki 0° 01 N (MARSHALL & HOOK 1960), z.B. im Tsavo-West Nationalpark (HENNIG 2003, KOWALSKI & BARTS 2007)], Uganda

A. .l. ufipae: Tansania im Gebiet um den Tanganjikasee

Haltung im Terrarium

Terrarium

Die Echsen haben eine hohe Fluchtdistanz und insbesondere Wildfänge geraten in Anwesenheit des Pflegers schnell in Panik. Nicht selten stoßen sich die Agamen dabei die Schnauzen an der Scheibe wund. Für die Haltung dieser recht lebendigen Tiere eignen sich deshalb nur größere Terrarien, in denen die Agamen auch mal einigen Sprints durchführen können. Bei der sehr ähnlichen Art Agama agama erwähnen RAUH & GAUBIES (2003) ein Terrarium von 130 x 50 x 50 cm, über das sie jedoch sagen, dass es deutlich zu klein war. Sie empfehlen eine Höhe von 100 cm. Während der Eingewöhnungsphase kann es hilfreich sein, die Terrarienscheiben mit einem Tuch abzudecken.

Licht

Bei der Siedleragame handelt es sich um einen extremen “Sonnenanbeter”. Wie sehr das stimmt beschreibt HENNIG (2003) nach einer Kenia-Reise: ”Solange die Sonne schien waren Agamen zu sehen. Begann um ca. 6:00 Uhr der Tag, konnten Exemplare beobachtet werden. Wurde die Sonne von Wolken bedeckt, verschwanden auch die Agamen”. Es muss also Wert auf eine gute Beleuchtung gelegt werden. Die Tiere verbringen den größten Teil des Tages damit, sich in der Sonne aufzuwärmen. Eine UV-Lichtquelle sollte nicht fehlen. RAUH & GAUBIES (2003) verwendeten bei o.g. Terrariengröße zwei UV-Lichtröhren (Reptisun 5.0, 20 W) und einen 80-W-HQL-Strahler. Zusätzlich wurde regelmäßig mit einer Osram UltraVitalux bestrahlt.

Temperatur

Ca. 25-32 °C Lufttemperatur tagsüber. Lokal sollten unter dem Strahler 45°C erreicht werden.

Luftfeuchtigkeit

Tagsüber 50-70%. Abends und morgens besprüht man das Terrarium, so dass die Luftfeuchte kurzzeitig auf über 70% steigt.

Einrichtung

Um dem hohen Bewegungs- und Kletterdrang der Tiere gerecht zu werden, sollten die Terrarienwände mit z.B. Styropor und Fliesenkleber strukturiert werden. Außerdem bietet man Äste und Steine als Klettermöglichkeiten und Versteckplätze an. In freier Wildbahn übernachten die Tiere in er Nähe von menschlichen Siedlungen z.B. in Spalten von Häuserwänden und Dachkonstruktionen (HENNIG 2003). Als Bodengrund verwendeten RAUH & GAUBIES (2003) hellen Sand in einer Höhe von 7 cm.

Fütterung

Agama lionotus ernährt sich im Freiland vermutlich rein karnivor. Beobachtungen zufolge besteht der größte Teil der Nahrung aus Ameisen. Im Terrarium nehmen sie auch Grillen, Mehlwürmer, Wachsmaden, Fliegen, Heuschrecken und andere Insekten an. Das Futter wird regelmäßig mit einem Vitamin- und Kalkpräparat bestäubt. Manche Tiere nehmen auch süßes Obst an. Eine Wasserschale sollte nicht fehlen, obwohl häufig das Sprühwasser aufgeleckt wird.

Zucht

Über die Zucht von Agama lionotus in Gefangenschaft gibt es so gut wie keine Publikationen. Vermutlich verlaufen aber Paarung und Fortpflanzung ähnlich wie bei der westafrikanischen Siedleragame (Agama agama). Paarungen finden während der Trockenzeit statt. MARSHALL & HOOK (1960) zeigten, dass der Zeitpunkt der Fortpflanzung jedoch nur indirekt mit der Regen- und Trockenzeit sondern viel mehr mit der Zunahme der Nahrung nach langen Regenperioden zusammenhängt. Dabei scheint die eingeschränkte Fortpflanzungszeit nicht an den Männchen zu liegen, die das ganze Jahr über Sperma produzieren, sondern an den Weibchen, die nur von Juni bis September Eier in den Eierstöcken tragen. MEIßNER (1993) beschreibt, dass paarungswillige Weibchen sich in die Nähe des Männchens begeben und sich dort mit hoch aufgerichtetem und gekrümmten Rücken aufstellen. Der Kopf wird dabei gesenkt und der Schwanz angehoben. Das Männchen verbeisst sich in den Nacken und es kommt zur Kopulation, die etwa 1 Minute dauert. Trächtige Weibchen erkennt man an den rostbraunen bis orangefarbenen Flecken an den Flanken. Kurz vor der Eiablage stellen die Weibchen die Nahrungsaufnahme ein. KNAACK (1999) beobachtete in freier Wildbahn, dass eine unbewachsene Sandfläche als Eiablagestelle ausgesucht wurde. Der Boden sei nach einem Regen in der Nacht feucht gewesen. Das Weibchen grub eine in einem Winkel von 45-50° verlaufende und 140 mm tiefe Grube mit einem Durchmesser von 55-60 mm aus, in die insgesamt 9 Eier abgelegt wurden. Die gesamte Eiablage von Ausheben der Grube bis zum Verschließen dauerte von 10:25 Uhr bis 17:54 Uhr. Das Weibchen hielt sich weitere 4 Tage in der Nähe der Ablagestelle auf. MEIßNER (1993) berichtet über 4-6 blaue Eier, die zu Beginn der Regenzeit in eine zuvor ausgehobene Mulde abgelegt wurden, welche später wieder mit Sand gefüllt wurde. Der Sand wird mit dem Kopf angedrückt. RAUH & GAUBIES (2003) berichten bei A. agama über häufig auftretende Legenot trotz angebotener feuchter Eiablagestellen. Als Inkubationssubstrat erwähnen RAUH & GAUBIES (2003) Vermiculite. Weitere Informationen zur Zucht können bei der Westafrikanischen Siedleragame nachgelesen werden, die sehr ähnlich zu halten ist.

Die beim Schlupf etwa 10 cm großen Jungtiere sind ähnlich gefärbt wie die Weibchen und können noch einen Dottersack aufweisen. Zunächst sollten sie in Becken mit auf leicht angefeuchtetem Küchenpapier als Unterlage aufgezogen werden bis der Dottersack resorbiert ist. Das endgültige Aufzuchtbecken wird ähnlich eingerichtet wie bei den Adulti. Futter in Form von kleinen Grillen wird schon einen Tag nach dem Schlupf angenommen. Laut MEIßNER (1993) schließen sich die kleinen Agamen in einem Alter von 2-3 Monaten einer Gruppe an. RAUH & GAUBIES (2003) beschreiben die Aufzucht bei der Westafrikanischen Siedleragame als nicht immer unproblematisch. Jungtiere schwächeln teilweise ohne ersichtlichen Grund. In diesen Fällen sollte mit einer Zwangsfütterung nicht zu lange gewartet werden. Auch auf eine regelmäßige Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie UV-Licht muss dringend geachtet werden. In Gefangenschaft geborene Tiere gewöhnen sich schnell an den Pfleger und nehmen Wasser von der Pipette an. Die Jungtiere sind nach 1,5 Jahren erwachsen (MEIßNER 1993).

Diese Arten könnten sie ebenfalls interessieren:

Agama agama (Siedleragame)
Calotes versicolor (Blutsaugeragame)

Literatur

BÖHME, W., P. WAGNER, P. MALONZA, S. LÖTTERS & J. KÖHLER (2005): A new species of the Agama agama group (Squamata: Agamidae) from Western Kenya, East Africa, with comments on Agama lionotus BOULENGER, 1896. - Russ. J. Herpetol. 12 (2): 83-90.

BOULENGER, G.A. (1896): Second Report on the Reptiles and Batrachians collected by Dr. A. Donaldson Smith during his Expedition to Lake Rudolf. - Proc. Zool. Soc. London 1896: 212-217.

BROADLEY, D.G. & K.M. HOWELL (1991): A check list of the reptiles of Tanzania, with synoptic keys. - Syntarsus, 1: 1-70.

DOBIEY, M. & P. WAGNER (2007): Agama lionotus lionotus BOULENGER, 1896 Ostafrikanische Siedleragame. - REPTILIA, Natur und Tier-Verlag, Münster, 12(4): 51-54.

HENNIG, A.S. (2003): Freilandbeobachtungen an Siedleragamen in Kenia. - Natur und Tier-Verlag, Münster, REPTILIA 8(4): 55-57.

KNAACK, J. (1999): Beobachtungen einer Eiablage der ostafrikanischen Siedleragame (Agama lionotus) am Kilifi Creek, Kenia. - herpetofauna, Weinstadt, 21(123): 10-11.

KOWALSKI, T. & M. BARTS (2007): Bildung eines Gabelschwanzes bei Agama lionotus lionotus BOULENGER, 1896. - SAURIA, Berlin, 29(1): 54.

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MARSHALL, A.J. & R. HOOK (1960): The breeding biology of equatorial vertebrates: Reproduction of the lizard Agama agama lionotus BOULENGER at Lat. 0° 01’N. - Proc. Zool. Soc. London, 134: 197-205.

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WAGNER, P., A. BURMANN & W. BÖHME (2008): Studies on African Agama II - Resurrection of Agama agama kaimosae LOVERIDGE, 1935 (Squamata: Agamidae) from synonymy and its elevation to species rank. - Russ. J. Herp. 15 (1): 1-7.

WAGNER, P., M.F. BAREJ & A. SCHMITZ (2009): Studies on African Agama VII. A new species of the Agama agama-group (LINNAEUS, 1758) (Sauria: Agamidae) from Cameroon & Gabon, with comments on Agama mehelyi TORNIER, 1902. - Bonner zoologische Beiträge 56 (4): 285-297.

 

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